Neurodermitis

Es gibt verschiedene Ursachen, die bei der Entstehung der Neurodermitis eine Rolle spielen. Bis heute konnten ihre Zusammenhänge aber noch nicht genau aufgeklärt werden. Fest steht, dass es sich um eine vererbbare Erkrankung handelt. Allerdings wird nicht die Erkrankung selbst vererbt, sondern nur die Veranlagung, eine Neurodermitis bzw. eine andere atopische Erkrankung wie Heuschnupfen oder Asthma zu entwickeln. Das Risiko hängt dabei von der „Vorbelastung“ in der Familie ab. Ist nur ein Elternteil betroffen, ist das Risiko für das Kind, ebenfalls zu erkranken, geringer, als wenn beide Elternteile betroffen sind. Aber auch ohne Vorgeschichte in der Familie hat jeder Mensch ein gewisses Risiko, eine Neurodermitis zu entwickeln.

Was wird vererbt?

Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine sehr komplexe, heterogene Erkrankung. Obwohl sie immer zu sehr ähnlichen Krankheitszeichen führt (trockene Haut, Juckreiz, Hautentzündung im akuten Schub etc.), kann die Erkrankung individuell auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden. Das hängt u. a. davon ab, welche Erbinformationen betroffen sind. Inzwischen weiß man, dass insbesondere bei Patienten, die bereits sehr früh eine Neurodermitis entwickeln und zu Allergien neigen, häufiger eine Mutation im so genannten Filaggrin-Gen vorliegt. Diese führt zu einer entscheidenden Störung der Hautbarrierefunktion. Bei fast allen Neurodermitis-Patienten findet man eine beeinträchtigte Hautschutzbarriere. Neben einem Mangel an Filaggrin kann dies auch bedingt sein durch einen veränderten Fettgehalt in der obersten Hautschicht, der Epidermis, sowie durch einen Mangel an natürlichen Feuchthaltefaktoren. Natürliche Feuchthaltefaktoren verhindern, dass Wasser durch Verdunstung über die Haut verloren geht.
Eine geschädigte Hautbarriere erleichtert das Eindringen von Krankheitserregern und Allergenen in die Haut. Ein Behandlungsziel ist daher, diese beeinträchtigte Hautbarriere und damit die natürliche Schutzfunktion der Haut wiederherzustellen.

Bei einigen Patienten spielen veränderte Erbinformationen im Bereich der körpereigenen Abwehr, des Immunsystems, eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. So beobachtet man auf der einen Seite eine Überreaktion des Immunsystems gegen normalerweise harmlose Substanzen (Allergie). Auf der anderen Seite ist die Abwehrbereitschaft gegen Krankheitserreger herabgesetzt. Daher neigen Neurodermitis-Patienten oft zu Hautinfektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen.

Hauptursachen für die Entstehung der Neurodermitis sind also eine genetische Veranlagung, eine beeinträchtigte Hautbarrierefunktion sowie eine gestörte Immunlage.

Eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen aber auch äußere bzw. auslösende Faktoren, so genannte Provokationsfaktoren. Zu nennen sind u.a.:

  • Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze
  • Kleidung, wenn diese die Haut reizen kann (z. B. Wolle, zu eng anliegende Kleidungsstücke)
  • Berufliche Reizfaktoren (z. B. Chemikalien beim Friseur)
  • Klimatische Bedingungen (trockene Heizungsluft, geringe Luftfeuchtigkeit)
  • Aero- oder Nahrungsmittelallergene (Kuhmilch, Ei, Haselnüsse, Erdnüsse, Soja, Hausstaubmilben, Pollen etc.)
  • Darüber hinaus ist Stress „Gift“ für die Neurodermitis. Prüfungssituationen, Ehekrisen, Scheidung, Tod eines geliebten Menschen oder Konfliktsituationen am Arbeitsplatz können die Erkrankung verschlimmern.

Durch das Zusammentreffen mit zahlreichen Umweltfaktoren, wie z. B. Allergenen oder Reizstoffen, kann es also zum Ausbruch oder zur Verschlimmerung der Neurodermitis kommen.

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