Aktinische Keratosen

ständiges Sonnenlicht begünstigt Aktinische KeratosenAktinische Keratosen entstehen durch chronische Lichtschäden in Hautbereichen, die ständig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Bezeichnungen wie solare Keratosen, senile Keratosen und Alterskeratosen werden häufig synonym gebraucht. Durch langjährige, wiederholte Sonnenschäden verändert sich die Erbinformation in den Zellen der obersten Hautschicht (Keratinozyten), so dass sie schneller nachgebildet werden. Diese Verhornungsstörung macht sich auf der Hautoberfläche, der Hornschicht, z. B. durch eine schmiergelpapierartige raue Oberfläche und Schuppung bemerkbar, die mal mehr und mal weniger vorhanden ist (s. a. Symptome).

Im höheren Lebensalter sowie bei hellhäutigen Personen ist die Wahrscheinlichkeit, aktinische Keratosen zu entwickeln, am größten. In Europa ist Schätzungen zu folge etwa jeder zweite über 60-Jährige betroffen.

Heute weiß man, dass es sich bei aktinischen Keratosen bereits um eine frühe Form von weißem bzw. hellem Hautkrebs handelt. Im Gegensatz zu anderen Hautkrebsarten sind aktinische Keratosen aber nicht bösartig (maligne), da sie nur die oberste Hautschicht betreffen. Die oberste Hautschicht besitzt z. B. keine Blutgefäße, und somit können die entarteten Zellen bei aktinischen Keratosen noch nicht streuen, d. h. keine Metastasen bilden. In etwa 10 % der Fälle können sie aber in eine maligne Hautkrebsform übergehen. Daher ist es wichtig, bei unklaren Hautveränderungen oder Verdacht auf aktinische Keratosen frühzeitig zum Hautarzt zu gehen. Denn aktinische Keratosen lassen sich sehr gut und meist auch einfach behandeln.

Hier erfahren Sie mehr über weißen Hautkrebs.

Aktinische Keratosen werden durch chronische Lichtschäden verursacht, die man sich im Laufe seines Lebens zugezogen hat. Hauptursache sind also die UV-Strahlen, insbesondere die des Sonnenlichts. UV-Strahlen sind energiereich und können, wenn sie in die Haut eindringen, unerwünschte chemische Reaktionen in Gang setzen und so zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Erbguts (DNA) der Zellen führen. In der Regel werden diese Zellschäden durch Reparaturmechanismen der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) behoben.

Im Lauf der Jahre oder Jahrzehnte können aber genau diese Reparaturmechanismen auch durch UV-Strahlen beeinträchtigt werden, so dass sich einzelne geschädigte Hautzellen ungehindert weiter teilen und zu einer Verdickung der Hornschicht führen.

Weitere Faktoren

  • Heller Hauttyp: Bei hellhäutigen Personen, die leicht einen Sonnenbrand bekommen, ist der natürliche Sonnenschutz nur gering ausgeprägt. Sie haben ein höheres Risiko für aktinische Keratosen als Menschen mit dunklem Hauttyp.
  • Zu viel Sonne: Häufig betroffen sind Menschen, die berufsbedingt oder in ihrer Freizeit über lange Zeit der Sonne ausgesetzt waren (z. B. Landwirte, Seeleute, Dachdecker, Maurer, Marathonläufer). In den letzten Jahren steigt die Anzahl an Patienten mit aktinischen Keratosen rapide an, da sich im Lauf der Jahrzehnte die Freizeitgewohnheiten deutlich verändert haben (z. B. ausgedehnte Sonnenbäder im Urlaub).
  • Hohes Alter: Die Entstehung aktinischer Keratosen verläuft sehr langsam über mehrere Jahrzehnte. Betroffen sind daher überwiegend Menschen ab dem 50. Lebensjahr.
  • Beeinträchtige Immunabwehr: Patienten, deren Immunabwehr krankheitsbedingt (z. B. bei HIV-Infektionen) oder durch die Einnahme von Medikamenten (z. B. Kortison) geschwächt ist, haben ein erhöhtes Risiko, aktinische Keratosen zu entwickeln. Patienten, deren Immunsystem nach Organtransplantationen künstlich unterdrückt wird, sind besonders gefährdet.

Aktinische Keratosen treten in der Regel in den Hautbereichen auf, die der Sonne am meisten ausgesetzt sind und die man auch als „Sonnenterassen" der Haut bezeichnet. Dazu gehören:

  • Stirn, Schläfen, Nase, Unterlippe, Wangen, Ohrmuschel
  • Handrücken, Unterarme, Dekolleté
  • Kopfhaut (Glatze bei Männer)

 

Das Aussehen aktinischer Keratosen ist nicht immer gleich, lässt sich in der Regel aber folgendermaßen beschreiben:

  • Raue, trockene oder schuppende Flecken, Knötchen oder Plaques mit einer Größe von 1 mm bis ca. 2 cm, die einzeln oder auch flächenhaft auftreten können.
  • Die Farbe variiert von hautfarben bis rötlich oder rötlich-braun.
  • Ältere Läsionen können deutlich verdickt sein, mit gelblich-bräunlichen Hornauflagerungen.
  • Manchmal lassen sich die schmiergelpapierartig rauen aktinischen Keratosen besser fühlen als sehen.
  • Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen fehlen in der Regel.

 

Auch wenn nur einzelne aktinische Keratosen erkennbar oder tastbar sind, kann der umliegende Hautbereich mit betroffen sein (s. Abbildung).

Etwa 10 % der aktinischen Keratosen können im Verlauf der Zeit in eine bösartige Hautkrebsform (invasives Spinaliom bzw. Plattenepithelkarzinom) übergehen. Wann und bei welchen Läsionen das passiert, lässt sich nicht voraussagen. Daher sollte man bei bleibenden oder immer wiederkehrenden rauen oder schuppenden Hautveränderungen in sonnenexponierten Hautbereichen („Sonnenterassen") auf jeden Fall einen Hautarzt aufsuchen. Das gilt grundsätzlich natürlich für alle unklaren Hautveränderungen.

Der Hautarzt erkennt aktinische Keratosen in der Regel bereits durch Ansehen und Tasten der Hautveränderungen. Im Zweifelsfall wird eine kleine Hautprobe entnommen, die mikroskopisch untersucht wird.

Behandlungsmöglichkeiten

Heutzutage gibt es verschiedene operative und äußerliche Behandlungsmöglichkeiten. Die richtige Behandlung richtet sich nicht nur nach der Ausdehnung und Lokalisation der aktinischen Keratosen, sondern auch danach, ob bestimmte Grunderkrankungen oder Risikofaktoren bei den Betroffenen vorliegen. Daher muss die geeignete Behandlung individuell mit dem behandenden Hautarzt besprochen werden.

Zur Verfügung stehen folgende Therapieformen:

  • Laser-Therapie
  • Oberflächliches Abtragen mit dem scharfen Löffel (Kürettage)
  • Kältetherapie mit flüssigem Stickstoff (Kryotherapie)
  • Herausschneiden mit dem Skalpell
  • Äußerliche Behandlung mit speziellen Gelen oder Cremes
  • Bestrahlung mit UV-Licht (photodynamische Therapie, PDT)

 

Vorsorge

 

Aktinische Keratosen entwickeln sich in Hautbereichen, die meist über Jahre hinweg einer übermäßigen Sonnenbelastung ausgesetzt waren. Die Sonnenschäden können oft schon Jahrzehnte zurück liegen. Daher kann man nicht ausschließen, dass sich nach der Entfernung einzelner aktinischer Keratosen an anderen Stellen neue Läsionen bilden. Eine regelmäßige hautärztliche Kontrolle auch nach erfolgreicher Therapie ist zu empfehlen.

Tipps zur Vorbeugung von aktinischen Keratosen

Sonne meiden

  • Halten Sie sich nicht ungeschützt in der Sonne auf.
  • In der Mittagszeit von etwa 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr ist die Sonnenstrahlung am intensivsten. Versuchen Sie, den Aufenthalt in der Sonne in dieser Zeit zu vermeiden.
  • Die Intensität der UV-Strahlung hängt vom Einfallswinkel der Sonne ab, nicht von der Hitze oder Helligkeit. Ein Anhaltspunkt für die Sonnenintensität ist somit die Schattenlänge. Lange Schatten sprechen für eine wenig intensive Sonnenstrahlung, kurze Schatten sprechen für eine sehr intensive Strahlung. Um den Sommeranfang ist damit die Gefahr am größten und zwei Monate davor (April) genauso groß wie zwei Monate danach (August).
  • Meiden Sie reflektierende Oberflächen wie Wasser, Sand, Beton, weiß gemalte Flächen. (Wolken und Nebel schützen nicht, sondern können im Gegenteil die UVB-Strahlung noch erhöhen).
  • Meiden Sie künstliche UV-Strahlen (Solarien, Heimsonne).

 

Schützende Kleidung tragen

  • Schützen Sie Ihre Haut durch Kleidung. Tragen Sie bei Aufenthalt in der Sonne Hüte, Oberteile mit langen Ärmeln, lange Hosen oder Röcke.

 

Sonnenschutzmittel richtig verwenden

  • Verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 30 oder höher), die neben dem UVB-Schutz auch einen Schutz vor UVA-Strahlung bieten. Bedenken Sie aber, dass keine Sonnencreme einen vollständigen Schutz bietet.
  • Tragen Sie das Sonnenschutzmittel mindestens 30 Minuten vor der Sonnenexposition auf.
  • Um den Lichtschutz aufrechtzuerhalten, muss das Sonnenschutzmittel mehrfach neu aufgetragen werden.
  • Bei Sonnenschutzmitteln gilt ausnahmsweise: Viel hilft viel. Je mehr sie auftragen, desto besser ist die Schutzleistung. Wenn Sie das Mittel zu dünn auftragen, vermindert sich der Lichtschutzfaktor. Tragen Sie doppelt so viel auf, wie Sie es von Ihren Hautpflegeprodukten gewöhnt sind.
  • Insbesondere die Sonnenterrassen des Körpers (Stirn, Nase, Dekolleté, Hände etc.) sollten sorgfältig eingecremt werden.
  • Verwenden Sie Lichtschutzmittel das ganze Jahr über, auch im Winter.

 

Eigenuntersuchung

Sie können sich selber ganz einfach zu Hause untersuchen. Am besten untersuchen Sie sich einmal pro Monat nach dem Baden oder Duschen vor einem Ganzkörperspiegel. Ein Handspiegel kann Ihnen helfen, auch schwer einsehbare Körperstellen zu begutachten.

Wenn Sie ein ungewöhnlich aussehendes Muttermal oder einen seltsamen Fleck entdecken, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Eine jährliche Kontrolluntersuchung ist in jedem Fall ratsam.

So können Sie sich selbst untersuchen:

  • Untersuchen Sie die Vorder- und Rückseite Ihres Körpers im Spiegel und im Anschluss die Seiten mit erhobenen Armen.
  • Beugen Sie Ihre Ellenbogen. Beachten Sie Ihre Unterarme, die Rückseite Ihrer Oberarme und Ihre Handflächen sorgfältig. Vergessen Sie nicht, auch Ihre Nägel zu untersuchen.
  • Inspizieren Sie die Rückseite Ihrer Beine und Füße, einschließlich der Fußsohlen und Zehenzwischenräume.
  • Untersuchen Sie Ihren Nacken und Kopf mit einem Handspiegel. Vergessen Sie nicht, auch hinter Ihren Ohren nachzusehen.
  • Zum Schluss überprüfen Sie Ihren Rücken und Ihr Gesäß mit einem Handspiegel.

Weitere Informationen erhalten Sie von der European Skin Cancer Foundation.

Handelt es sich bei aktinischen Keratosen um Hautkrebs?

Ja, aktinische Keratosen gelten heute als Frühform einer hellen Hautkrebsform (Plattenepithelkarzinom). Sie kommen in der obersten Hautschicht vor und bilden daher keine Metastasen in anderen Organen.
Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung, um die Umwandlung in eine bösartige Hautkrebsform zu verhindern.

Müssen aktinische Keratosen operativ entfernt werden?

Die Behandlungsmethode der Wahl wird der Arzt individuell mit Ihnen festlegen. Neben operativen Verfahren stehen zur Therapie von aktinischen Keratosen heutzutage auch Gele und Cremes zur Verfügung.

Sind aktinische Keratosen so gefährlich wie schwarzer Hautkrebs?

Nein, aktinische Keratosen zählen zu den so genannten hellen Hautkrebsformen. Diese sind häufiger als der schwarze Hautkrebs, aber nicht so aggressiv. Aktinische Keratosen sind auf die oberste Hautschicht beschränkt und bilden keine Metastasen. Dennoch sollten aktinische Keratosen behandelt werden, um eine Umwandlung in eine bösartige helle Hautkrebsform zu vermeiden.

Stockfleth E et al. Hautkrebs – ein Leitfaden für die Praxis. 2. Aufl. Bremen: Uni-Med Verlag AG; 2008.

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