Juckreiz

Hautjucken (medizinisch: Pruritus) ist eines der hartnäckigsten und häufigsten Symptome bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Ekzeme oder Allergien. Aber auch scheinbar gesunde Haut kann jucken, z. B. bei inneren Erkrankungen wie Diabetes, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie bei neurologischen und psychischen Erkrankungen. Auch Nahrungsmittel und deren Inhalts- und Zusatzstoffe sowie Medikamente können Juckreiz hervorrufen. Insbesondere im Alter tritt Juckreiz häufig ohne ausgeprägte Hautveränderungen auf.

Wie Juckreiz entsteht, ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Lange Zeit ging man davon aus, dass Juckreiz durch eine unterschwellige Reizung von Schmerznerven entsteht und auch über diese weitergeleitet wird. Daher wurde Juckreiz auch gerne als „kleiner Bruder des Schmerzes" bezeichnet. Neuere Forschungsergebnisse zeigen aber, dass es  spezielle Nervenbahnen für Juckreiz gibt. Jedoch sind noch längst nicht alle Überträgersubstanzen und ihr Zusammenspiel bekannt.

Juckreiz wird üblicherweise mit „Kratzen" oder „Reiben" beantwortet. Hierdurch werden jedoch entzündliche Reaktionen der Haut stimuliert, wobei Histamin und andere Entzündungsmediatoren ausgeschüttet werden. Diese führen ebenfalls zu einem Reiz an den vermittelnden Nervenendigungen – bestehender Juckreiz wird weiter verstärkt. Ferner kann es durch das Kratzen zu kleinen Verletzungen der Haut kommen. Fremdstoffe können in die Haut eindringen, das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung.

Durch das Eindringen von Bakterien kann es zu einer Infektion kommen. Jeder dieser Prozesse verursacht Juckreiz, so dass der "Kreislauf" – Jucken – Kratzen – Entzündungs- prozesse – Jucken ... –  schwer zu unterbrechen ist.

Juckreiz kann aber nicht nur direkt in der Haut, z. B. durch Hauterkrankungen oder durch Kratzen, hervor- gerufen oder unterhalten werden, sondern auch durch Schädigung der Juckreiz weiterleitenden Nerven (z. B. bei Herpes Zoster), durch psychogene Erkrankungen oder durch Stoffwechselerkrankungen (wie Diabetes), Lebererkrankungen und andere.

Juckreiz selbst ist ein Symptom, das im Verlauf einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten kann. Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen

  • Juckreiz auf zunächst nicht entzündeter Haut. Hierzu zählt z. B. Juckreiz, der durch Wasserkontakt hervorgerufen wird (aquagener Pruritus), oder Juckreiz, der bei bestimmten Grunderkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus, bei Leber- oder Nierenerkrankungen, bei Einsenmangel, Schilddrüsenerkrankungen u. v. a. auftritt, oder der als Nebenwirkung bei der Einnahme bestimmter Medikamente vorkommen kann. Auch während einer Schwangerschaft kann es zu unangenehmem Pruritus kommen.
  • Juckreiz auf entzündeter Haut. Bei der entzündlichen Hauterkrankung Neurodermitis (atopisches Ekzem) ist Juckreiz zum Beispiel das Leitsymptom. Weitere Hauterkrankungen, bei denen Jucken ein häufiges Problem, ist sind z. B. andere Ekzeme (z. B. Kontaktekzeme), Schuppenflechte oder auch Urtikaria. Juckreiz kann aber auch bei Hautinfektionen mit Pilzen, Bakterien, Viren oder Insekten die Entzündung der Haut begleiten.

Wenn die Haut juckt, wird dies in der Regel mit Kratzen, Rubbeln, Scheuern, Reiben, Drücken oder auch Kneten beantwortet. Die Folge ist, dass der Juckreiz – meist nach einer kurzfristigen Besserung – schlimmer wird (s. auch unter Ursache). Denn Kratzen fördert Entzündungsreaktionen in der Haut und führt zu Symptomen wie Rötung, punktförmigen Blutungen (Exkoriation) und Krusten. Im Extremfall können auch Pigmentveränderungen, Narben oder Haarausfall, z. B. der Augenbrauen, folgen.

Erstes Ziel ist, die Ursache für den bestehenden Juckreiz zu klären.

Erste Maßnahmen, die Betroffene selbst durchführen können, werden im Abschnitt „Tipps" vorgestellt.

Wenn diese Maßnahmen nicht oder nicht mehr ausreichen, ist es spätestens Zeit, sich an einen Hautarzt zu wenden. Da die verschiedenen Therapien je nach zu Grunde liegender Ursache des Juckreizes unterschiedlich wirksam sind, wird zusammen mit dem Hautarzt ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept erarbeitet.

Hierbei kann man den behandelnden Arzt oft unterstützen, z. B. in dem man erklärt,

  • in welchem zeitlichen Zusammenhang die Symptome auftreten (z. B. nach dem Baden oder nach körperlicher Anstrengung oder vornehmlich im Winter oder nachts),
  • ob auch andere Familienmitglieder betroffen sind,
  • ob eine Allergie vorliegt, ob man an einer bestimmten Hauterkrankung oder inneren Erkrankung leidet,
  • welche Instrumente man zum Kratzen verwendet hat,
  • welche Medikamente man einnimmt (auch solche erwähnen, die man sich selbst ohne Verschreibung in der Apotheke besorgt hat)
  • wie sehr man unter dem Juckreiz leidet.

Ist die Ursache bekannt, kann sie in manchen Fällen direkt behandelt werden (z. B. wenn der Juckreiz durch eine zuvor nicht behandelte  Grunderkrankung hervorgerufen wird). Wird der Juckreiz durch ein Arzneimittel hervorgerufen, kann der behandelnde Arzt Therapiealternativen prüfen. Liegt eine Allergie zu Grunde, kann das Allergen gemieden werden.

Meistens wird jedoch eine so genannte „symptomatische" Therapie notwendig sein, wenn die Ursache nicht bekannt ist oder ihre Behandlung nicht ausreicht, um das Jucken zu lindern.

Erste Maßnahmen, die Betroffene selbst durchführen können, werden im Abschnitt „Tipps" vorgestellt.

Wenn diese Maßnahmen nicht oder nicht mehr ausreichen, ist es spätestens Zeit, sich an einen Hautarzt zu wenden. Da die verschiedenen Therapien je nach zu Grunde liegender Ursache des Juckreizes unterschiedlich wirksam sind, wird zusammen mit dem Hautarzt ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept erarbeitet.

Folgende Arzneistoffgruppen werden häufig symptomatisch gegen Juckreiz verordnet:

  • Antihistaminika (das sind Präparate, die die Wirkung des Entzündungs- und Juckreizbotenstoffs Histamin hemmen)
  • Kortison-ähnliche Produkte (sie wirken entzündungshemmend, antiallergisch und lindern den Juckreiz)
  • Lokalanästhetika (sie unterdrücken die Weiterleitung von Impulsen in den Nervenfasern)
  • Weitere lokal eingesetzte Substanzen sind Cannabinoidagonisten und Capsaicin.

Juckreiz bei trockener Haut

Wird der Juckreiz durch trockene Haut ausgelöst, wie z. B. bei Neurodermitis, sollte eine konsequente und zielgerichtete tägliche Basispflege der Haut durchgeführt werden. Hierbei ist auf eine ausreichende Hautfettung ebenso zu achten wie auf einen Ausgleich der mangelnden Feuchtigkeit. Juckreiz kann z. B. mit dem oberflächlich wirkenden Anästhetikum Polidocanol unterdrückt werden, das in einigen Hautarzneimitteln (z. B. Optiderm Creme) enthalten ist.

Um der erkrankten Haut Feuchtigkeit zuzuführen, ist es wichtig, Stoffe zu wählen, die nachweislich zu einer Erhöhung des Wasserbindungsvermögens führen. Hierzu sind die als Natural Moisturizing Factors (NMF- natürliche Feuchthaltefaktoren) bekannten Substanzen wie Harnstoff (Urea) einsetzbar. Es konnte gezeigt werden, dass insbesondere der Gehalt der körpereigenen Substanz Harnstoff in der Haut bei Menschen mit atopischem Ekzem, Psoriasis oder bei trockener Haut deutlich reduziert ist. Zubereitungen mit Harnstoff können diesem Mangel entgegenwirken und u. a. die vom Körper produzierte Feuchtigkeit in der Hornschicht der Haut binden. Die Haut gewinnt ihre natürliche Geschmeidigkeit zurück. Zusätzlich lockert sich die verdichtete Hornschicht, so dass sich Schuppen leichter von der Hautoberfläche ablösen können.

Folgende Faktoren gilt es zu vermeiden:

  • Da trockene Haut auch jucken kann, sollten alle Faktoren gemieden werden, die die Haut zu stark austrocknen, wie zu häufiges und zu heißes Baden oder Duschen, trockene Heizungsluft (mehr…).
  • Hautirritationen, z. B. durch Wollkleidung direkt auf der Haut
  • Heiße, stark gewürzte Speisen, große Mengen heißer Getränke und Alkohol
  • Stress und Aufregung

Folgende Maßnahmen können hilfreich sein:

  • Eine kurzfristige Linderung des Juckreizes kann erreicht werden durch Lotionen oder Cremes mit den Wirkstoffen Harnstoff und/oder Polidocanol (z. B. Optiderm® Lotion).
  • Auch Kampfer, Menthol und Gerbstoffe (z. B. in Tannosynt® Creme) wirken juckreizlindernd.
  • Entspannungsübungen und Stressvermeidung sind sehr zu empfehlen. Wenden Sie sich ggf. an Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse. Diese haben häufig Tipps, wie man mit Stress am besten umgeht.
  • Da Kratzen den Juckreiz auf Dauer verschlimmert, sollte das Kratzen, Scheuern etc. natürlich vermieden werden. Da dies sehr schwer ist, kann es helfen, stattdessen einen kalten Waschlappen aufzulegen oder nur leichten Druck auszuüben. Versuchen Sie sich abzulenken! Z. B. indem Sie mit einem Freund oder einer Freundin sprechen etc.

Wodurch kann Juckreiz hervorgerufen werden, wenn auf der Haut keinerlei Veränderungen zu erkennen sind?

Die Ursachen können sehr vielfältig sein. In Frage kommen u. a. diverse Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Leber- oder Nierenerkrankungen, Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen u. v. a. Juckreiz kann auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente hervorgerufen werden. Auch während einer Schwangerschaft oder nach Bluttransfusionen kann Juckreiz auftreten. Die Ursache sollte zusammen mit einem (Haut-) Arzt abgeklärt werden.

Was hilft schnell gegen Juckreiz?

Kurzfristige Linderung bei Juckreiz, z. B. bei Insektenstichen, können Antihistaminika oder auch Lokalanästhetika verschaffen. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke oder bei Ihrem Arzt beraten, welches Mittel für Sie am ehesten geeignet ist. Allgemeine Tipps zur Linderung von Juckreiz finden Sie auch im Abschnitt „Tipps" auf dieser Seite.

Broschüre

Juckreiz-Ratgeber
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Wissenschaftliche Basisbroschüre

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  • Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): „Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei chronischem Pruritus"; Stand 2005.

 

Weitere Informationen zum Thema Juckreiz finden Sie hier.