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PATIENTEN

Allergien

Allergische Rhinitis

Allergische RhinitisBei der allergischen Rhinitis handelt es sich um eine allergische Erkrankung der Nase, die mit Symptomen wie juckender, laufender oder verstopfter Nase, Niesen und juckenden Augen einhergeht. Da sie oft durch Einatmen von (Gräser-) Pollen hervorgerufen wird, wird die saisonal auftretende allergische Rhinitis landläufig auch als Heuschnupfen oder Heufieber bezeichnet.

Grundsätzlich werden heute zwei Formen der allergischen Rhinitis (AR) unterschieden:

  • Bei der intermittierenden AR treten die Symptome an weniger als 4 Tagen in der Woche oder weniger als 4 Wochen pro Jahr auf.
  • Eine persistierende AR wird diagnostiziert, wenn die Betroffenen an mehr als 4 Tagen pro Woche und mehr als 4 Wochen pro Jahr unter ihren Symptomen leiden.

 

Gebräuchlich ist auch die Einteilung in „saisonale" (tritt während der Zeit des Pollenflugs auf) und „perenniale" (tritt ganzjährig auf) allergische Rhinitis.

In Europa sind derzeit bis zu 20 % der Bevölkerung von allergischer Rhinitis betroffen, Tendenz steigend. Die allergische Rhinitis kann mit einer Vielzahl von Begleit- und Folgeerkrankungen einhergehen. Zum Beispiel entwickeln etwa 25 % der langjährigen Allergiker im Verlauf der Allergie eine Bronchitis oder Asthma („Etagenwechsel" der allergischen Symptome). Daher wird die allergische Rhinitis von der WHO (World Health Organization) inzwischen als „wesentliche chronische Atemwegserkrankung" eingestuft. Heute sind sich Mediziner darüber bewusst, dass eine allergische Rhinitis – je nach Schwere der Symptome – auch mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergehen kann. Denn sie kann zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen und dadurch zu einer stark verminderten Leistungsfähigkeit führen, was durch indirekte Kosten auch gesellschaftliche Auswirkungen hat. Daher berücksichtigen Ärzte bei der Auswahl der Therapie heute vermehrt auch die Schwere der Symptome

Allergien werden durch eine Überempfindlichkeit der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) hervorgerufen. Das Immunsystem schützt den Organismus normalerweise gegen schädliche Einflüsse wie Bakterien oder Viren. Allergische Symptome treten auf, wenn das Immunsystem eine Abwehrreaktion gegen Substanzen einleitet, die eigentlich harmlos sind und bei den meisten Menschen keine Immunantwort hervorrufen. Diese Substanzen werden als Allergene bezeichnet.

Wenn eine bereits allergische Person ein Allergen einatmet (z. B. Pollen oder Staub), kommt das Allergen mit der Nasenschleimhaut in Kontakt. In der Schleimhaut befindet sich eine Vielzahl an Abwehrzellen des Immunsystems. Einige dieser Zellen erkennen das Allergen von einem früheren Kontakt und schütten dann spezifisch gegen dieses Allergen gerichtete Eiweißstoffe aus, die wissenschaftlich korrekt als Antikörper bezeichnet werden. Die Antikörper binden das Allergen und lösen dadurch eine Kette weiterer Immunreaktionen aus, in deren Folge unter anderem der Botenstoff Histamin freigesetzt wird. Das führt z. B. zu Niesreiz und Jucken, Anschwellen der Schleimhäute und Schleimproduktion, den typischen Symptomen einer allergischen Rhinitis.

Beispiele für Allergene, die eingeatmet werden können sind Pollen, Schimmelpilze, Tierhaare oder –schuppen und Hausstaubmilben. Meist handelt es sich um sehr kleine Substanzen, die man kaum sehen kann. Zu den Pflanzen, deren Pollen häufig Allergien verursachen, zählen:

  • Bäume (z. B. Birke)
  • Gräser
  • Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia).

Eine Rolle für die Auslösung der allergischen Symptome spielt auch die Allergenmenge. Besonders hohe Konzentrationen an Pollen befinden sich insbesondere an heißen, trockenen und windigen Tagen in der Luft. An regnerischen Tagen werden Pollen „zu Boden gespült".

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Niesen
  • Juckende Nase und Augen
  • Laufende Nase
  • Verstopfte Nase

 

Wenn die Nase verstopft ist, wird häufig durch den Mund geatmet. Folge- und weitere Symptome sind z. B.:

  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Keuchen
  • Tränende Augen
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen

 

Die allergische Rhinitis kann von anderen (allergischen) Erkrankungen begleitet werden, und es können im Verlauf Folgeerkrankungen auftreten, z. B.:

  • Bindehautentzündung
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Asthma
  • Atopisches Ekzem (Neurodermitis)
  • Nahrungsmittelallergie
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkei

Da die Vermeidung eines Allergens immer an erster Stelle der Behandlung steht, muss das Allergen zunächst identifiziert werden. Das gelingt durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Arzt (z. B. Allergologe). Durch Führen eines Allergie-Tagebuchs können mögliche Allergene schneller eingegrenzt werden. Allergieteste (es gibt Haut- und Blutteste) können dann Aufschluss über den genauen Auslöser geben. Verschiedene Maßnahmen helfen, den Kontakt mit den Allergenen möglichst gering zu halten (Tipps).

Da man gerade in der Umwelt weit verbreiteten Allergenen wie Pollen nicht aus dem Weg gehen kann, ist es das Ziel der medikamentösen Therapie, die Immunreaktion einzudämmen, die Symptome zu vermindern und die Lebensqualität zu verbessern. Außerdem kann eine allergische Rhinitis unbehandelt bei geschätzten 35 % der Betroffenen nach einigen Jahren zu einem so genannten „Etagenwechsel" führen. Das bedeutet, dass sich die Symptome von den oberen Atemwegen auf die unteren Atemwege (Bronchien) ausweiten können.

Zur lokalen Anwendung in der Nase stehen Nasensprays mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung:

  • Glukokortikoide wirken antiallergisch und entzündungshemmend und führen zu einer Abschwellung der Nasenschleimhäute. Nasensprays mit diesen Wirkstoffen sind verschreibungspflichtig.
  • Antihistaminika (Histamin-H1-Rezeptorblocker) wirken antiallergisch, indem sie verhindern, dass Histamin im Organismus seine Wirkung entfaltet.
  • Chromone (so genannte Mastzellstabilisatoren) wirken antiallergisch, indem sie die Ausschüttung von Botenstoffen wie Histamin hemmen.

 

Bei mäßiger bis schwerer Ausprägung der Symptome werden neben der Anwendung von antiallergischen Nasensprays häufig auch Antihistaminika in Form von Tabletten oder auch Sirup verordnet. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht nur die allergischen Symptome in der Nase bekämpfen, sondern u. a. auch Augensymptome vermindern. Während die ersten Vertreter dieser Wirkstoffklasse noch zu Müdigkeit führten, ist das bei den neuen Substanzen (z. B. Ebastin, Desloratadin…) nicht mehr oder nur noch sehr selten der Fall.

Eine besonders große Bedeutung kommt der spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zu. Es ist die einzige Behandlungsmöglichkeit, die nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache angeht und der somit auch ein vorbeugender Effekt zugesprochen wird. Durch wiederholte Gabe sich immer weiter steigernder Mengen eines Allergenextrakts wird der Körper an dieses Allergen „gewöhnt".

Bei dauerhaften Veränderungen der Nasenschleimhaut können auch operative Eingriffe notwendig werden.

Tipps zur Vermeidung von Allergenen

Bei Pollenallergie:

  • Während der Pollensaison die aktuellen Pollenfluginformationen in Tageszeitungen, Nachrichten und / oder Internet beachten und während der Zeit des stärksten Pollenflugs nicht lüften.
  • Beim Autofahren Fenster geschlossen halten.
  • Den Urlaub nach den Pollenflugzeiten in der jeweiligen Urlaubsregion ausrichten.
  • Das Schlafzimmer zur pollenfreien Zone erklären: z. B. abends Haare waschen, Tageskleidung außerhalb des Schlafzimmers wechseln etc.

 

Bei Allergie gegen Hausstaubmilben:

  • Regelmäßig staubsaugen und/oder wischen
  • Staubsauger mit Feinstaubfiltern verwenden
  • Um die Milben abzutöten, Bettwäsche/Kleidung möglichst bei > 60 °C bzw. mit Milben abtötenden Zusätzen (z. B. Benzylbenzoat) waschen.
  • Für Matratzen, Decken und Kissen gibt es milbendichte Bezüge.
  • Milben mögen es gerne feucht. Daher auf eine geringe Luftfeuchtigkeit in Räumen achten (z. B. regelmäßig lüften).
  • Grevers G, Röcken M, Hrsg. Taschenatlas der Allergologie. Grundlagen, Diagnostik, Klinik. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2001.
  • Bachert C, Hrsg. Kardorff B, Virchow C. Allergische Erkrankungen in der Praxis. 2. Aufl. Bremen: Uni-Med; 2001.
  • Saloga J, Klimek L, Buhl R, Mann W, Knop J, Hrsg. Allergologie-Handbuch. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2006.
  • Bachert C. Die allergische Rhinokonjunktivitis. Ein Update zu den Leitlinien. Allergologie 2005; 28 (2): 45-52.