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PATIENTEN

Ekzeme

Neurodermitis

Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine chronisch verlaufende bzw. in Schüben wiederkehrende Ekzemerkrankung, die in der Regel mit starkem, oft sogar fast unerträglichem Juckreiz einhergeht. Meist sind Kinder betroffen. In Europa leiden zeitweilig etwa 10 bis 15 % der Kinder unter dieser entzündlichen Hauterkrankung, Tendenz steigend. Neurodermitis kann bereits im Säuglingsalter auftreten und das Kind – in unterschiedlicher Ausprägungen  – auch bis ins Erwachsenenalter begleiten. In vielen Fällen kommt es bis zum Jugendalter aber auch wieder zur vollständigen Abheilung. Bei Erwachsenen tritt das atopische Ekzem mit bis zu 3 % bisher wesentlich seltener auf.

Kennzeichnend für Neurodermitis ist vor allem der starke Juckreiz, der nicht nur tagsüber, sondern auch nachts zu einer Belastungsprobe werden kann. Er kann zu Schlafstörungen und in der Folge zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führen. Dabei werden nicht selten auch die Eltern in Mitleidenschaft gezogen. Daneben weisen die Betroffenen auch in schubfreien Intervallen eine besonders trockene Haut auf. Je nach Erkrankungsalter stehen unterschiedliche Symptome im Vordergrund.

Für die Neurodermitis gibt es viele Synonyme: endogenes Ekzem, atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, Dermatitis atopica oder auch konstitutionelles Ekzem. Der Begriff „atopisch" bzw. „Atopie" kommt aus dem Griechischen (atopia = Ungewöhnlichkeit, Seltsamkeit) und bezieht sich dabei auf die erblich bzw. genetisch bedingte Veranlagung zu Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien) der Haut und Schleimhäute. Atopiker sind also Menschen mit einem erhöhten Risiko, eine Erkrankung aus dem atopischen Formenkreis zu entwickeln. Neben der atopischen Dermatitis (Neurodermitis) zählen auch das allergische Asthma, der allergische Heuschnupfen (allergische Rhinitis ) oder die allergisch bedingte Bindehautentzündung der Augen (Konjunktivitis) zu diesen „atopischen" Erkrankungen. Bei dem überwiegenden Teil der Neurodermitis-Patienten liegt also eine Sensibilisierung (Allergie) vor, z. B. gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln, Nahrungsmittelzusätzen, Pollen, Schimmelpilzen oder auch Hausstaubmilben (-Kot). Das ist aber nicht bei allen Neurodermitis-Patienten der Fall.

Es gibt verschiedene Ursachen, die bei der Entstehung der Neurodermitis eine Rolle spielen. Bis heute konnten ihre Zusammenhänge aber noch nicht genau aufgeklärt werden. Fest steht, dass es sich um eine vererbbare Erkrankung handelt. Allerdings wird nicht die Erkrankung selbst vererbt, sondern nur die Veranlagung, eine Neurodermitis bzw. eine andere atopische Erkrankung wie Heuschnupfen oder Asthma zu entwickeln. Das Risiko hängt dabei von der „Vorbelastung" in der Familie ab. Ist nur ein Elternteil betroffen, ist das Risiko für das Kind, ebenfalls zu erkranken, geringer, als wenn beide Elternteile betroffen sind. Aber auch ohne Vorgeschichte in der Familie hat jeder Mensch ein gewisses Risiko, eine Neurodermitis zu entwickeln.

Was wird vererbt?

Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine sehr komplexe, heterogene Erkrankung. Obwohl sie immer zu sehr ähnlichen Krankheitszeichen führt (trockene Haut, Juckreiz, Hautentzündung im akuten Schub etc.), kann die Erkrankung individuell auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden.  Inzwischen weiß man, dass insbesondere bei Patienten, die bereits sehr früh eine Neurodermitis entwickeln und zu Allergien neigen, häufiger bestimmte genetische Veränderungen (Mutation) aufweisen. Hierzu gehört u. a. eine Mutation im so genannten Filaggrin-Gen . Diese führt zu einer entscheidenden Störung der Hautbarrierefunktion. Bei fast allen Neurodermitis-Patienten findet man eine beeinträchtigte Hautschutzbarriere. Neben einem Mangel an Filaggrin kann dies auch bedingt sein durch einen veränderten Fettgehalt in der obersten Hautschicht, der Epidermis, sowie durch einen Mangel an natürlichen Feuchthaltefaktoren. Natürliche Feuchthaltefaktoren verhindern, dass Wasser durch Verdunstung über die Haut verloren geht.
Eine geschädigte Hautbarriere erleichtert das Eindringen von Krankheitserregern und Allergenen in die Haut. Ein Behandlungsziel ist daher, diese beeinträchtigte Hautbarriere und damit die natürliche Schutzfunktion der Haut wiederherzustellen.

Bei einigen Patienten spielen veränderte Erbinformationen im Bereich der körpereigenen Abwehr, des Immunsystems, eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. So beobachtet man auf der einen Seite eine Überreaktion des Immunsystems gegen normalerweise harmlose Substanzen (Allergie). Auf der anderen Seite ist die Abwehrbereitschaft gegen Krankheitserreger teilweise herabgesetzt. Daher neigen Neurodermitis-Patienten oft zu Hautinfektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen.

Hauptursachen für die Entstehung der Neurodermitis sind also eine genetische Veranlagung, eine beeinträchtigte Hautbarrierefunktion sowie eine gestörte Immunlage.

Eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen aber auch äußere bzw. auslösende Faktoren, so genannte Provokationsfaktoren. Zu nennen sind u.a.:

  • Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze
  • Kleidung, wenn diese die Haut reizen kann (z. B. Wolle, zu eng anliegende Kleidungsstücke)
  • Berufliche hautreizende Substanzen (z. B. Chemikalien beim Friseur)
  • Klimatische Bedingungen (trockene Heizungsluft, geringe Luftfeuchtigkeit)
  • Aero- oder Nahrungsmittelallergene (Kuhmilch, Ei, Haselnüsse, Erdnüsse, Soja, Hausstaubmilben, Pollen etc.)
  • Psychischer Stress wie Prüfungssituationen, Ehekrisen, Scheidung, Tod eines geliebten Menschen oder Konfliktsituationen am Arbeitsplatz können die Erkrankung verschlimmern.

Durch das Zusammentreffen mit zahlreichen Umweltfaktoren, wie z. B. Allergenen oder Reizstoffen, kann es also zum Ausbruch oder zur Verschlimmerung der Neurodermitis kommen.

Die Neurodermitis ist eine entzündliche Hauterkrankung. Typisch sind die folgenden Hauterscheinungen, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein können:

  • sehr trockene, stark juckende Haut
  • Rötung
  • Bläschen oder Knötchen
  • nässende und verkrustete Hautzustände (häufig hervorgerufen durch Kratzen)

Der Verlauf der Neurodermitis ist chronisch-rezidivierend. Das bedeutet, dass sich erscheinungsfreie Intervalle und akut-entzündliche Schübe abwechseln.

Neben den Entzündungszeichen weist die Neurodermitiker-Haut weitere Veränderungen auf (auch im erscheinungsfreien Intervall):

  • weniger Feuchtigkeit und Fett
  • verminderte Produktion von Talg
  • veränderte Schweißabgabe
  • gestörte Hautbarrierefunktion
  • Überempfindlichkeit gegen chemische, physikalische oder mechanische Reize
  • erhöhte Anfälligkeit gegenüber Hautinfektionen
  • erhöhte Reaktion auf psychische Faktoren (Stress – individuell unterschiedlich ausgeprägt)


Im akuten Schub weist die Neurodermitis typische Entzündungssymptome auf:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Bläschenbildung
  • Nässen und Krustenbildung
  • Juckreiz


Im chronischen Verlauf treten die folgenden Veränderungen der Haut auf:

  • Rötung
  • Verdickung der Epidermis, der obersten Hautschicht
  • Schuppung
  • vergröberte Hautfelderung (= Lichenifikation)

Altersabhängiger Wandel

Häufig beginnt die Neurodermitis in der frühen Kindheit. Bei ca. 60 % tritt die Erkrankung bereits im ersten Lebensjahr auf. Je nach Lebensalter (Säuglinge, Kinder, Jugendliche/Erwachsene) beobachtet man charakteristische Hautveränderungen. Insgesamt geht die entzündliche Form mit zunehmendem Lebensalter zurück.
Die Hauterscheinungen wandeln sich in den verschiedenen Lebensabschnitten:

  • Im Säuglingsalter bestehen in der Regel auf den Wangen und am Kopf stark juckende, krustöse Hautveränderungen. Auch der so genannte Milchschorf, eine an der Kopfhaut lokalisierte weiß-gelbliche Auflagerung, kann ein Hinweis auf eine Neurodermitis sein. Der Juckreiz ist quälend. Die Kinder sind vielfach weinerlich, weil sie nachts nicht schlafen können. Infolge des Kratzens fängt die Haut an zu bluten. Das kann wiederum zu Entzündungen führen. Schließlich können der gesamte behaarte Kopf und das Gesicht erkrankt sein und auch Hautveränderungen an Rumpf und Streckseiten der Arme und Beine auftreten. Bei ca. 50 % der Kleinkinder heilen die Erscheinungen bis zum Ende des 2. Lebensjahres ab.
  • In der Kindheit tritt die Neurodermitis häufig in Form des so genannten Beugenekzems in Erscheinung. Hier sind die großen Gelenkbeugen (Ellenbeugen, Handgelenke, Kniekehlen) betroffen. Weitere Hauterscheinungen können bei Kindern typischerweise im Nacken, im seitlichen Gesicht, in der Lidregion, auf dem Fußrücken und an den Händen auftreten. Charakteristisch sind auch schuppende Hautveränderungen an den Fingerkuppen oder Zehen. Neben den entzündlichen Prozessen findet sich eine charakteristische Vergröberung der Hautfelderung (Lichenifikation).
  • Typische Ekzemformen bei Jugendlichen und Erwachsenen betreffen das Gesicht (Stirn, Augenlider), Hals, besonders den Nacken, den oberen Brustbereich und Schultergürtel sowie ebenfalls die großen Gelenkbeugen. Neurodermitis bei Jugendlichen und Erwachsenen kann über längere Zeit bestehen bleiben. Die Intensität der Entzündung klingt jedoch üblicherweise nach dem 30. Lebensjahr ab.

Juckreiz

Neben der sehr trockenen Haut und wiederholten Entzündungsschüben ist quälender Juckreiz ein dominantes Symptom bei Neurodermitis. Juckreiz wird üblicherweise mit Kratzen beantwortet. Hierdurch wird die Haut geschädigt und komplexe immunologische Prozesse in Gang gesetzt. Entzündungsbotenstoffe (wie z. B. Histamin oder das vor kurzem entdeckte Interleukin 31) werden ausgeschüttet und der bestehende Juckreiz weiter verstärkt. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus Jucken und Kratzen. Durch die kleinen Verletzungen in der Haut kann es leichter zu Infektionen kommen. Dieser starke Juckreiz ist oft unerträglich und bereitet einen großen Leidensdruck, ganz besonders für Kinder. Daher ist es ausgesprochen wichtig, diesen Juck-Kratz-Teufelskreis zu unterbrechen. Die Krankheit fordert von Eltern viel Einfühlungsvermögen und Verständnis; neben rein medizinischen Anwendungen zur Juckreizlinderung wird sich eine entspannte, harmonische Atmosphäre in der Familie stets förderlich auf die Haut auswirken.

Da es sich um eine chronische Hauterkrankung handelt, sollte möglichst frühzeitig die Beratung und Behandlung durch einen Hautarzt gesucht werden. Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, und die Behandlung muss immer individuell abgestimmt werden, denn jeder Patient spricht unterschiedlich gut auf die Behandlung an.

Behandlungsziele

Die Therapie der Neurodermitis umfasst verschiedene Behandlungsziele: Zum einen gilt es, die akut entzündlichen Schübe zu behandeln und den Juckreiz zu lindern. Hier werden entzündungshemmende und juckreizlindernde Arzneimittel wie Kortikoide oder topische Immunmodulatoren (Calcineurininhibitoren) sowie Anthistaminika eingesetzt.

Zusätzlich sollte immer eine begleitende Basistherapie durchgeführt werden. Ziel der Basistherapie ist es durch die regelmäßige Anwendung von medizinischen/pflegenden Cremes, Salben und Ölbädern  die Haut zu fetten und die Hautfeuchtigkeit zu erhöhen. Die gestörte Hautbarrierefunktion wird so wiederhergestellt und der Hautzustand stabilisiert. Die Basisbehandlung sollte auch im erscheinungsfreien Intervall durchgeführt werden, da dadurch ein erneuter Schub herausgezögert werden kann. Zudem kann der Verbrauch an wirkstoffhaltigen Arzneimitteln durch den Einsatz solcher Basistherapeutika reduziert werden.

Individuelle Reizfaktoren, welche die Krankheit verstärken oder einen erneuten Schub auslösen, sollten identifiziert und vermieden werden.

Durch eine frühzeitige, fachkundige Therapie und eine konsequente medizinische Hautpflege können Komplikationen vermieden werden. Da heutzutage nur die Symptome der Neurodermitis behandelt werden können, ist grundsätzlich Skepsis bei Behandlungsmethoden angebracht, die eine vollständige und sofortige Heilung der Neurodermitis versprechen.

Äußerliche Behandlung von Juckreiz, Entzündung und trockener Haut

Entzündung

In der akut-entzündlichen Phase werden meistens verschreibungspflichtige Kortikoidpräparate (z. B. Hydrocortisonbutyrat) verordnet. Außerdem kommen topische Immunmodulatoren wie Tacrolimus oder Pimecrolimus zum Einsatz. Auch Gerbstoffe (z. B. Tannosynt®) werden in der akut-entzündlichen Phase eingesetzt. Hier eignen sich insbesondere gerbstoffhaltige Bäder oder Umschläge.

Juckreiz

Ausgeprägter Juckreiz ist ein charakteristisches Symptom der Neurodermitis. Juckreizlindernde Wirkstoffe wie z. B. Polidocanol (z. B. in Optiderm®, Balneum Hermal® Plus Ölbad) oder Antihistaminika helfen den Juck-Kratz-Teufelskreis zu durchbrechen. Die bereits oben genannten Gerbstoffe haben ebenfalls juckreizlindernde Eigenschaften.

Trockene Haut

Um der trockenen Haut Feuchtigkeit zuzuführen, werden Stoffe eingesetzt, die zu einer Erhöhung des Wasserbindungsvermögens der Haut führen. Hierzu zählen z. B. Harnstoff (= Urea), Glycerin oder Hyaluronsäure. Harnstoffhaltige Präparate sollten nicht auf akut-entzündlicher Haut angewendet werden (führt zu Brennen auf der Haut). Bei kleinen Kindern sollte nur eine 3-5 %ige Harnstoffkonzentration zum Einsatz kommen.

Innerliche Behandlung bei schwerer Neurodermitis

Verwendet werden, neben innerlich (bspw. mit Tabletten) einzusetzenden Kortikoiden, vor allem Antihistaminika, die den Juckreiz unterdrücken. Einige Antihistaminika haben zudem eine beruhigende (sedierende) Wirkung und werden deshalb abends eingesetzt, um das Ein- und Durchschlafen zu erleichtern.

Sehr schwere Fälle werden mit so genannten Immunsuppressiva, wie z. B. Ciclosporin, behandelt. Diese sind aus der Transplantationsmedizin bekannt und zeigen auch bei schwerer Neurodermitis einen Nutzen, da das Immunsystem am Krankheitsgeschehen in hohem Maße beteiligt ist. Darüber hinaus helfen Antibiotika oder Virustatika bei schweren Infektionen mit Bakterien (Antibiotika) oder mit Viren (Virustatika).

Zum Schutz vor neuen Schüben

Austrocknung der Haut vermeiden

  • Auf ausgedehnte und heiße Dusch- oder Wannenbäder verzichten.
  • Verwenden Sie lauwarmes Wasser und vermeiden Sie austrocknende alkalische Seifen. Stattdessen können Sie ein mildes Syndet verwenden. Der Begriff Syndet ist eine Abkürzung für „Synthetische Detergentien", d. h. künstlich hergestellte Hautreinigungsmittel ohne Seife.
  • Zu bevorzugen sind Produkte, die rückfettende Komponenten enthalten und die Haut nicht austrocknen (z. B. Balneum® Intensiv Dusch/Waschlotion).
  • Nach dem sorgfältigen Abspülen des Hautreinigungsproduktes die Haut mit dem gewohnten medizinischen Pflegepräparat eincremen.
  • Auf Produkte, die die Haut stark austrocknen, wie z. B. Franzbranntwein oder Arnikatinkturen, sollte verzichtet werden.
  • Hautirritierende Stoffe können u. a. Reinigungs- und Putzmittel und bestimmte Pflanzen sein.

 

Gegen Allergieauslöser

  • Bei bekannten Allergien Auslöser meiden!
  • Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben können ggf. besonders milbendichte Matratzenüberzüge (so genannte Encasings) verwendet werden.
  • Grundsätzlich gilt es, die Kontaktnoxen, welche die Neurodermitis verschlimmern, zu identifizieren und zu vermeiden. Das Führen eines entsprechenden Tagebuches kann helfen, Auslöser eines Schubes mit Hilfe des Arztes zu erkennen.

 

Richtige Kleidung

  • Kleidung und Bettzeug müssen gut luftdurchlässig, nicht schweißtreibend und angenehm weich sein.
  • Kunststofffasern können verträglich sein, eignen sich aber überhaupt nicht für Personen, die leicht schwitzen, da der Stoff keinen Schweiß aufsaugt. Am besten geeignet sind atmungsaktive Stoffe mit glatter Oberfläche, feinmaschig gewebt, sowie Wäsche aus reiner Baumwolle oder Seide.
  • Neurodermitiker vertragen häufig keine Wolle. Kleidung aus Wolle sollte daher nicht direkt auf der Haut getragen werden. Baumwollblusen/-hemden können untergezogen werden.
  • Da Waschmittelreste in Kleidung und Bettwäsche die Haut irritieren können, sollte die Wäsche immer gründlich gespült werden.
  • Falls besonders die Hände betroffen sind, empfiehlt sich das Tragen von Handschuhen.

 

Gegen den Juckreiz

  • Grundsätzlich sollte alles vermieden werden, was die Haut austrocknen und reizen kann. Hierzu zählen z. B. trockenes Raumklima (niedrige Luftfeuchte), alkoholische Umschläge und raue Kleidungsstücke.
  • Eine kurzfristige Linderung des Juckreizes kann durch kühle Umschläge oder kühles Duschen erreicht werden. Ein etwa 32 - 36ºC warmes Bad mit rückfettenden und juckreizlindernden Zusätzen (z. B. Balneum Hermal® Plus Ölbad) kann den Juckreiz ebenfalls bessern.
  • Auch die Hautpflegeprodukte können im Kühlschrank aufbewahrt werden, so dass sich der kühlende Effekt beim Auftragen auf die Haut verstärkt.
  • Nachts empfiehlt sich, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder, das Tragen von Neurodermitis-Overalls und Baumwollhandschuhen, um das Aufkratzen der Hauterscheinungen zu unterbinden.
  • Bewährt haben sich darüber hinaus für Kinder und Erwachsene Entspannungsübungen wie z. B. Autogenes Training. Eine entspannte, harmonische Atmosphäre in der Familie wirkt sich günstig auf die Haut aus.

 

Neurodermitis und Beruf

Neurodermitiker sollten ihren Hautzustand bei der Wahl des Berufes berücksichtigen. Berufe, bei denen schon während der Ausbildungszeit konstante Hautbelastungen zu erwarten sind, müssen kritisch geprüft werden. In allen Arbeitsbereichen gibt es Stoffe, die die Haut irritieren können. Das gilt auch für den häuslichen Bereich. Bei der Berufswahl sind die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Besteht eine Anlage zu Allergien?
  • Sind bereits Unverträglichkeiten bekannt?
  • Kann der Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen gemieden werden?

 

Vor der Wahl des Berufes sind diese Aspekte zu berücksichtigen, obgleich eine völlige Ausschaltung aller hautschädigenden Stoffe praktisch nicht möglich ist, da diese nicht nur im Beruf, sondern auch im persönlichen Bereich und in der Umwelt vorkommen.

Selbsthilfegruppen

Über den Deutschen Neurodermitikerbund sind Informationsblätter sowie Kontaktadressen für regionale Selbsthilfegruppen zu beziehen. Hier können Kontakte zu anderen betroffenen Neurodermitikern oder Eltern von Kindern mit Neurodermitis aufgebaut werden.

Vorbeugung

Eltern, die selbst an Neurodermitis oder anderen atopischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder allergischem Asthma leiden, sollten folgende Empfehlungen beachten:

  • Während der Schwangerschaft und in Anwesenheit des Kindes gilt striktes Rauchverbot
  • Säuglinge sollten mindestens vier Monate lang gestillt werden. Erst nach dem vierten Lebensmonat wird eine Beikostfütterung empfohlen.

 

Bei Risikokindern werden zusätzlich die folgenden präventiven Maßnahmen empfohlen:

  • Falls eine Ernährung mit Muttermilch nicht möglich ist, sollte hypoallergene Säuglingsnahrung verwendet werden.
  • Auf die Haltung von Katzen sollte verzichtet werden. Demgegenüber zeigen Untersuchungen, dass kein erhöhtes Risiko bei der Hundehaltung zu erwarten ist.

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein. Es handelt sich um eine nicht ansteckende, entzündliche Hauterkrankung, die auch durch intensiven Hautkontakt nicht übertragen werden kann.

Wie soll man bei Kindern das Kratzen unterbinden?

  • Abreagieren durch körperliche Aktivität
  • Alternativen zum Kratzen üben: "Kratzklötzchen" verwenden, Drücken, Reiben, Bürsten, Streicheln, Kneifen
  • Auf kurze und saubere Fingernägel achten
  • In der Nacht Baumwollhandschuhe verwenden oder einen Neurodermitis-Overall überziehen
  • Entspannungsübungen: Geschichten erzählen oder Kassetten vorspielen, malen etc.

Gibt es eine spezielle Neurodermitis-Diät?

Nein. Grundsätzlich kann ein Neurodermitiker alles essen. Um bei Kindern keine Mangelernährung zu erzeugen, dürfen Diätprogramme nicht eigenmächtig erstellt werden. Nur wenn der Arzt durch entsprechende Untersuchungen eine Allergie nachgewiesen hat, ist es sinnvoll in Absprache mit dem Arzt das Nahrungsmittel wegzulassen.

Ist Sonne gut für die Haut?

Die Haut der Mehrzahl der an Neurodermitis erkrankten Menschen verträgt eine Sonnenbestrahlung (UV-Licht) gut. Deshalb behandelt der Hautarzt in manchen Fällen mit UV-Bestrahlungen. Wichtig ist die Verwendung eines Sonnenschutzmittels mit hohem Lichtschutzfaktor, das möglichst auch keine Duftstoffe enthalten sollte.

Sollen Kinder mit Neurodermitis Sport treiben?

Es gibt keinen Grund, warum die Kinder sich nicht sportlich betätigen sollten. Es sollte aber der Sport gewählt werden, der dem Kind gefällt, den es gerne macht. Jeder Fortschritt sollte belohnt werden, da das Kind hieraus Bestätigung und Anerkennung erhält. Wichtig ist, bei der Sportkleidung auf weiche, luftdurchlässige Kleidung zu achten, damit es nicht zu einem Wärmestau kommen kann. Nach einer sportlichen Anstrengung sollte das Kind lauwarm duschen und die Haut mit seinem Pflegeprodukt versorgen.

Was können Eltern tun, deren Kinder die Behandlung verweigern?

Die Ursache für ein solches Verhalten des Kindes könnten sein:

  • Mangelndes Verständnis, warum die Behandlung notwendig ist.
  • Die Behandlung ist schmerzhaft, unangenehm oder einfach langweilig.
  • Eltern waren in der Behandlung nicht konsequent.
  • Trotzphase und Machtspiele.

Kann man die Ursache eingrenzen, kann man gezielt vorgehen. Als Anregungen sind zu sehen:

  • Die Motivation zum "Selbermachen" fördern
  • Alternativen anbieten
  • Die Anwendungen in ein Spiel integrieren
  • Eine andere Person in die Therapie mit einbeziehen
  • Keine Schuldkomplexe beim Kind aufbauen und Belohnungen für aktives "Mitmachen" vereinbaren

Wie wichtig ist das Stillen zur Vorbeugung?

Spezialisten sind sich einig, dass Stillen einen günstigen Effekt auf das sich entwickelnde Immunsystem des Säuglings hat. Die Zeitspanne sollte mindestens 4 Monate betragen.

Leitlinie "Neurodermitis" der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) et al. Stand: April 2008. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/013-027.htm

 

Broschüren

Informationen und Tipps rund um das Thema Neurodermitis
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