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Haarerkrankungen.

Haarausfall.

Jedes Haar unterliegt einem natürlichen Wachstumszyklus mit drei verschiedenen Phasen:

  • Einer Wachstumsphase, in der das Haar wächst,
  • einer Übergangshase sowie
  • der Ruhephase, an deren Ende das Haar natürlicherweise von selbst ausfällt:

Die Wachstumsphase (Anagenphase = 85 % der Haare) dauert für das Kopfhaar etwa 3 bis 7 Jahre. In dieser Zeit ist das Haar fest verankert und kann nur durch starken Zug unter Schmerzen ausgezogen werden. Ein Haar wächst in der Wachstumsphase 0,3 mm pro Tag oder ca. 1 cm pro Monat.

Hieran schließt sich die nur wenige Tage dauernde Übergangsphase (Katagenphase = 1 % des Kopfhaares) an. Die Zellteilungen in der Haarzwiebel hören auf, und das Haar rückt im Haarfollikel nach oben.

Die Endphase ist die Ruhephase (Telogenphase = 14 % der Haare). Diese dauert ca. 3 - 4 Monate. Jetzt ist das Haar im unteren Teil verdickt und steht knapp unter der Talgdrüseneinmündung.

Dieses Kolbenhaar lässt sich schmerzfrei ausziehen. Zur selben Zeit beginnt ein neuer Zyklus. Es bildet sich eine neue Haarzwiebel und ein neues Anagenhaar, das das Kolbenhaar aus dem Follikel herausschiebt. Es fällt aus.

Normalerweise fallen täglich 80 bis 100 Haare pro Tag aus.

Folgende Ursachen können zu Haarausfall führen:

  • Die androgenetische Alopezie beim Mann ist meist durch eine genetische Veranlagung bedingt. Sie ist die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern in mittlerem Alter.
  • Hormonelle Schwankungen bei Frauen, z. B. während der Stillzeit oder in der Menopause, können zu Haarausfall führen.
  • Ein plötzlich auftretender kreisrunder Haarausfall – Alopecia areata – ist häufig die Folge einer Autoimmunerkrankung.
  • Schwere organische Erkrankungen bzw. Infektionen
  • Andere Hauterkrankungen wie Tinea capitis (Pilzinfektion der Haare), Verbrennungen oder starke Entzündungen können zu Vernarbungen und damit auch zu Haarausfall führen.
  • Mangelerscheinungen (Vitamin-, Mineralstoff- und Spurenelementmangel), z. B. durch Diäten
  • Stoffwechselstörungen (Schilddrüsenfehlfunktionen, Diabetes)
  • Medikamenteneinnahme, z. B. Zytostatika zur Behandlung einer Tumorerkrankung
  • Umweltbedingte Schadstoffe
  • Stress, psychische Belastungen
  • Mechanische Belastung durch streng gebundene Frisuren, wie z. B. Pferdeschwänze bzw. häufig getragene Kopfbedeckungen, können ursächlich für Haarausfall oder Haarbruch sein.
  • Bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere bei Mädchen, ist manchmal ein krankhaftes Bedürfnis, sich die Haare auszuziehen (Trichotillomanie), zu beobachten

 

Schädigende Einflüsse treffen besonders die Haare, die sich gerade in der Wachstumsphase befinden, so dass diese vorzeitig in die Telogenphase eintreten. Bei leichter Schädigung setzt etwa 2 bis 4 Monate später – nach der Telogenphase – der Haarausfall ein.

Ist die Schädigung stärkeren Ausmaßes, wandelt sich ein Teil der Anagenhaare in Telogenhaare um, empfindliche Anagenhaare werden innerhalb weniger Tage dystrophisch, d. h. sie spitzen sich zu und brechen an der schmalsten Stelle schnell ab. Der Haarausfall setzt rasch ein.

Eine erhebliche Schädigung führt zu einem innerhalb weniger Tage einsetzenden Haarausfall. Im Extremfall bricht das Haar im Follikel und fällt nach wenigen Stunden aus.

Untersuchungsmethoden

Folgende Untersuchungen stehen zur Abklärung der Ursachen zur Verfügung:

  • Untersuchung der Kopfhaut auf Entzündungen, Schuppen, vernarbte Stellen
  • Untersuchung des Haarverteilungsmusters
  • Anamnese: Befragung zur familiären und beruflichen Vorgeschichte; z. B. ob andere Familienangehörige unter Haarausfall litten oder leiden, mit welchen Stoffen beruflich gearbeitet wurde oder wird etc.
  • Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Stoffwechsel- und Hormonwerte
  • Durchführung eines Trichogramms oder Trichoscans. Mit dieser Methode kann festgestellt werden in, welcher Zyklusphase sich die Haare befinden. Aus dem Ergebnis können Hinweise auf mögliche Schädigungen abgeleitet werden. Das Trichoscan ist ein modernes Verfahren, bei dem mit Hilfe eines Mikroskops und einer Kamera vergrößerte Aufnahmen der Kopfhaut gemacht werden, die mittels Computer ausgewertet werden. Zusätzlich zur Lebenszyklusphase der Haare können die Haardicke sowie die Wachstumsgeschwindigkeit ermittelt werden.
  • In der Regel wird der Arzt darum bitten, zunächst über mehrere Tage hinweg alle ausfallenden Haare zu Hause zu sammeln, um diese zu zählen (80 bis 100 Haare sind normal).

Fallen die Haare kurzfristig – z. B. im Frühjahr oder Herbst – vermehrt aus, ist dies kein Anlass zur Sorge. Sollten jedoch mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen oder der Haarausfall deutlich erkennbar sein, weil schon 60% der ehemals vorhandenen Haare ausgefallen sind, ist eine medizinische Abklärung ratsam. Die Diagnose des Haarausfalls gehört in die Hände eines erfahrenen Spezialisten. Hautärzte können in den meisten Fällen durch eingehende Untersuchungen eine gesicherte Diagnose stellen.

 

Nur ein Hautarzt kann die Ursache eines Haarausfalls feststellen und eine mögliche Therapie vorschlagen. Ein Haarausfall sollte immer erst behandelt werden, nachdem eine Diagnose durch einen Hautarzt gestellt wurde. Es gibt Hautärzte, die sich auf Haarerkrankungen spezialisiert haben.

Zu empfehlen ist ein Besuch beim Arzt,

  • wenn Sie bei sich einen auffälligen Haarausfall unbekannter Ursache feststellen.
  • um mögliche Erkrankungen und Mangelerscheinungen abzuklären.
  • wenn Sie bei sich einen kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) feststellen.
  • bei Erkrankungen der Kopfhaut.

 

Ist die Haarwurzel abgestorben, bleibt jede Behandlung wirkungslos. Sofern eine eindeutige Ursache ermittelt werden konnte, wie z. B. ein hormonell bedingter Haarausfall bei der Frau, kann gezielt mit östrogenhaltigen Haartinkturen oder antiandrogenhaltigen Pillen therapiert werden.

Beim hormonell bedingten androgenetischen Haarausfall des Mannes, der häufig mit Geheimratsecken beginnt und über die Halbglatze zur Glatze wird, ist die gezielte Behandlung schon schwieriger. Für beide Formen kann eine konsequente Beeinflussung der meist auch bestehenden Seborrhoe (Haarfettung) durch spezifische Haarwaschmittel hilfreich sein. Moderne Arzneimittel (Minoxidil, Finasterid) versprechen zwar eine Neubildung von Haaren. Dieses sind dann aber Vellushaare, die sich in nicht in Terminalhaare umwandeln.

Darüber hinaus gibt es kosmetische Produkte, die die Durchblutung fördern und die Versorgung sowie die Ernährung des Haares möglicherweise günstig beeinflussen.

Auch die Zufuhr geeigneter Nährstoffe mit Nahrungsergänzungsmitteln oder abgestimmter "Vitaminpräparate" kann sich - bei einem vorliegenden Nährstoffmangel - günstig auf die Haarstruktur auswirken (Beispiel: Gelacet Gelatinekapseln mit Biotin).

  • Bei Verdacht auf Haarausfall können Sie für eine Untersuchung beim Hautarzt zunächst Haare sammeln. Man beginnt damit am besten einen Tag nach der Haarwäsche.
  • Strenges Zusammenbinden der Haare strapaziert die Haare. Der Pferdeschwanz ist bei Haarausfall aufgrund der damit verbundenen starken mechanischen Beanspruchung der Haarwurzeln als Frisur ungünstig und daher besser zu vermeiden.
  • Stress gilt als möglicher Auslöser für Haarausfall. Wer hiervon betroffen ist, kann dem mit regelmäßigen Entspannungstechniken entgegenwirken.
  • Zu häufiges und kräftiges Bürsten oder Kämmen sollten Sie vermeiden.
  • Die beste Methode, um Haar zu trocknen, ist das Trocken an der Luft. Wenn Sie fönen, verwenden Sie am besten eine lauwarme Temperatur.
  • Eine vielseitig gesunde und vitaminreiche Ernährung trägt zu gesundem und schönem Haar bei.

Warum kommt Haarausfall besonders häufig bei Männern vor?

Der männliche Haarausfall ist meist vererbt oder hormonell bedingt (androgenetische Alopezie).

Kann eine Diät für meine stumpfen, spröden und brüchigen Haare verantwortlich sein? Kann es zum Haarausfall kommen?

Eine unausgewogene, einseitige Diät kann zu einer Minderversorgung der Haare mit Nährstoffen führen. Insbesondere ein Mangel an Vitaminen, Eisen und Proteinen kann die Struktur der Haare verändern und auch zu Haarverlust führen. Bei ernährungsbedingten Mangelzuständen empfiehlt sich ggf. die Einnahme eines speziellen Vitamin- und Protein-Kombinationspräparates wie Gelacet Gelatinekapseln mit Biotin zur Nahrungsergänzung. Zusätzlich ist die Anwendung milder Haarpflegeshampoos zu empfehlen.

Sind UV-Strahlen schädlich für die Haare und können sie zu Haarausfall führen?

Haare können keinen Sonnenbrand entwickeln – aber UV-Strahlen schädigen insbesondere in Verbindung mit Salzwasser, Wind und trockener Luft den Haarschaft. Die Haare werden trocken und brüchig. Die Farbe bleicht aus. Ein Sonnenbrand auf der Kopfhaut kann zu Haarausfall führen. Da eine kräftige Sonneneinstrahlung auch zu Problemen mit dem Kreislauf führen kann sowie zu Spätschäden wie Hautkrebs, ist das Tragen einer Kopfbedeckung bei sonnigem Wetter ratsam.