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PATIENTEN

Haarerkrankungen

Hirsutismus

Dieses Krankheitsbild betrifft ausschließlich Frauen. Abzugrenzen ist Hirsutismus gegenüber Hypertrichose, Androgenisierung und Virilisierung. Diese Begriffe werden daher vorab definiert:

Bei einer Hypertrichose handelt es sich um eine allgemein stärkere Körperbehaarung ohne besonderes Verteilungsmuster. Eine Hypertrichose kann anlagebedingt sein, häufig ist der angeborene vermehrte Haarwuchs auf bestimmte Körperareale begrenzt. Der häufige "Damenbart" ist eine harmlose, anlagebedingte Hypertrichose. Häufig genügt es, die störenden Haare durch Bleichen weniger sichtbar zu machen. Eine weitere mögliche Ursache für Hypertrichose kann die Einnahme bestimmter Medikamente sein, z. B. Minoxidil.

Androgenisierung ist eine Sammelbezeichnung für die Folgen einer vermehrten Androgenwirkung aus verschiedenen Ursachen. Androgene sind männliche Sexualhormone (siehe auch Ursachen).

Virilisierung bezeichnet die Symptome der „Vermännlichung" bei Frauen. Folgende Symptome können auftreten: SAHA-Syndrom mit Seborrhoe (fettige Haut und fettige Haare), androgenetische Alopezie (Kopfhaarausfall), Hirsutismus und Akne, tiefe Stimme, Ausbildung kräftiger Muskulatur, Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhoe) etc.

Diagnose des Hirsutismus

Zur Diagnose ist für den Arzt nicht nur wichtig zu wissen, seit wann die Erkrankung besteht und wo am Körper unerwünschte Haare wachsen. Der Arzt wird auch fragen, ob Sie bestimmte Medikamente einnehmen oder ob Sie Zyklusstörungen haben. Er wird auch genau untersuchen, ob Sie noch andere Hautbeschwerden haben, wie z. B. Akne, Haarausfall oder eine sehr fettige Haut. Daneben sind auch bestimmte Gentests oder Laboruntersuchungen aufschlussreich, wie z. B. der Testosterongehalt im Blutserum.

Die möglichen Ursachen für Hirsutismus sind vielfältig:

  • Auch bei Frauen kommen männliche Sexualhormone in kleinen Mengen vor, z. B. Testosteron. Eine wesentliche Funktion des Testosterons ist die Anregung des Haarwachstums. Die Behaarung kann z. B. durch einen erhöhten Spiegel männlicher Sexualhormone (Androgene) im Blut bedingt sein. Weitere Anzeichen können Kopfhaarausfall (Alopezie), eine fettige Gesichtshaut (Seborrhoe) sowie Akne (SAHA-Syndrom) sein.
  • Es kann aber auch sein, dass ohne einen erhöhten Hormonspiegel eine stärkere Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Testosteron vorliegt. In diesen Fällen führen physiologische Androgenspiegel bei Frauen dazu, dass Haare an Stellen wachsen, wo sie sonst nur bei Männern vorkommen (idiopathischer Hirsutismus).
  • Bei Frauen nach der Menopause kann sich das Verhältnis zwischen Testosteron und Östrogenen verändern. Hierdurch wird z. B. auch ein Haarwachstum im Gesicht gefördert.
  • Bei Einnahme bestimmter Medikamente kann Hirsutismus als Nebenwirkung auftreten. Zu den möglichen Medikamenten, die männliche Behaarung bei Frauen auslösen können, zählen z. B. anabole Steroide, Glukokortikoide, Ketokonazol, Minoxidil, Phenytoin, Diazoxid, Diphenylhydantoin und D-Penicillamin.

 

In jedem Fall sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine ernsthafte Erkrankung vorliegt, da erhöhte Androgenspiegel bei Frauen im Zusammenhang mit ernsten Erkrankungen der Eierstöcke oder der Nebennierenrinden auftreten können (z. B. Polyzystisches Ovarsyndrom, Tumore).

Von Hirsutismus spricht man, wenn die Behaarung im Gesicht und bestimmten Körperarealen stark ausgeprägt ist und im Verteilungsmuster der des Mannes ähnelt. Übermäßige Körperbehaarung kann z. B. an folgenden Stellen auftreten:

  • im Gesicht im Bereich der Koteletten
  • über der Oberlippe und am Kinn
  • auf der Brust um die Brustwarzen herum
  • auf dem Bauch
  • an den Oberschenkeln

Für eine erfolgreiche Therapie muss zunächst die Ursache des vermehrten Haarwachstums abgeklärt werden. Liegt eine Hormonstörung oder ein Tumor vor, entscheidet der behandelnde Arzt über die Therapie. Bei erhöhtem Androgenspiegel – z. B. durch ein Polyzystisches Ovarsyndrom – werden auch Antiandrogene eingesetzt, z. B. Cyproteronacetat oder Spironolacton. Ein Tumor der Eierstöcke hingegen wird operativ entfernt. Durch diese Therapieansätze wird versucht, den Androgenspiegel zu senken. Aktuell bestehende Haare jedoch sprechen oft nur zeitverzögert innerhalb von 6 – 12 Monaten auf eine solche Therapie an. Daher sind begleitende Methoden zur Haarentfernung notwendig:

Um die Haare dauerhaft zu entfernen, stehen eine Reihe verschiedener Methoden zur Verfügung, die man zu Hause oder aber beim Hautarzt bzw. in Kosmetikinstituten durchführen lassen kann. Zu den einfachen, zu Hause anwendbaren Methoden zählen z. B. Rasieren, Zupfen, Wachsen und die Epilation. Beim Hautarzt wird häufig eine Haarentfernung per Laser angeboten. Das Bleichen der Haare mit Bleichcremes ist eine Methode, Haare weniger auffällig erscheinen zu lassen. Seit 2004 gibt es zur Behandlung von Hirsutismus im Gesicht bei Frauen auch ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Dieses verlangsamt das Haarwachstum, so dass andere Haarentfernungsmethoden (z. B. Rasur) ggf. seltener angewendet werden müssen.

Es ist ratsam, beim Hautarzt, Gynäkologen oder Endokrinologen die Ursachen für eine vermehrte Behaarung abklären zu lassen.

Was versteht man unter einer "Blitzlichttherapie" zur Haarentfernung?

Bei der "Blitzlichttherapie" handelt es sich um eine Form der Haarentfernung mit Lichtenergie (keine Laserbehandlung!). Sie kann zur Entfernung von unerwünschtem oder übermäßigem Haarwuchs eingesetzt werden. Diese Methode wird häufig von Kosmetikinstituten, aber auch von Hautärzten angeboten.