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PATIENTEN

Pilzerkrankungen

Pilzerkrankungen

Pilzerkrankungen der Haut und Nägel

Hautinfektionen durch Pilze werden medizinisch als Hautmykosen bezeichnet. Je nach Art des Erregers können neben der Haut auch Haare, Nägel und Schleimhäute betroffen sein. In Abgrenzung dazu existieren so genannte Systemmykosen. Das sind Pilzerkrankungen der inneren Organe, die hier jedoch nicht erklärt werden.

Es gibt über 100.000 Pilzarten. Nicht alle Pilze führen zwangsläufig zu Erkrankungen des Menschen. Manche Pilze befallen ausschließlich Tiere oder Pflanzen, andere Pilze leben vorzugsweise von abgestorbenen organischen Materialien, wie die Schimmelpilze. Andererseits werden viele Pilze auch in der Herstellung von Nahrungsmitteln (Käse, Bier, Backwaren) und Arzneimitteln genutzt.

Bis heute ist es nicht möglich, sämtliche Pilze einer der vielen Untergruppen zuzuordnen. In der Dermatologie hat sich die Einteilung in drei Gruppen bewährt: Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze, das so genannte D-H-S-System. Auch hier gibt es wiederum mehrere Unterklassifizierungen.

Aufgrund der Vielzahl möglicher Pilzerkrankungen kann im Folgenden nur ein kurzer Überblick über einige der wichtigsten Hautmykosen gegeben werden. Es wird deutlich, dass die Diagnose einer Pilzerkrankung komplex sein kann. In diesen Fällen ist der Hautarzt der richtige Ansprechpartner.

 

Pilzerkrankungen der Haut zählen zu den Infektionskrankheiten. Das bedeutet, dass die Erreger durch Ansteckung auf den Menschen übertragen werden. Als Überträger kommen sowohl Tiere, das Erdreich, als auch der Mensch selbst in Frage. Zudem ist es möglich, dass eine Person, die bereits an einer Pilzerkrankung leidet (z. B. Fußpilz), den Pilz auch auf andere eigene Körperpartien überträgt, so dass sich die Erkrankung weiter ausbreitet (z. B. in der Leistengegend).

Die Erreger von Pilzerkrankungen der Haut werden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt: Fadenpilze (Dermatophyten oder auch „Hautpilze"), Sprosspilze (Hefen) und Schimmelpilze. Am häufigsten sind Pilzerkrankungen durch Fadenpilze. Diese können u. a. zu Infektionen der Zehenzwischenräume, der Füße und Handinnenflächen, der Nägel, der behaarten Kopfhaut oder der Bartregion sowie der übrigen Haut führen. Anders als Hefepilze können Fadenpilze aber nicht die Schleimhäute befallen.

Zu den häufigsten Hefepilzinfektionen zählen die so genannten Candidosen, die durch Hefepilze der Gattung Candida (Hauptvertreter ist Candida albicans) verursacht werden. Diese betreffen sowohl die Haut als auch die angrenzenden Schleimhäute (z. B. Mundschleimhaut) und seltener den Magen-Darm-Trakt oder Nägel.

Schimmelpilze spielen als Erreger von Pilzinfektionen der Haut nur eine untergeordnete Rolle.

Auf einer intakten Haut und in einem gesunden Körper können sich kaum Pilzerkrankungen entwickeln. Liegt jedoch eine Schädigung vor, z. B. irritierte oder feuchte, aufgequollene Haut oder kleinste Verletzungen an Nägeln, können Pilze die Schutzbarriere der Haut durchdringen. Dieses gilt auch, wenn eine Abwehrschwäche des Organismus vorliegt, z. B. durch innere Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen, Krebserkrankungen, Immunabwehrschwächen (z. B. AIDS) oder Durchblutungsstörungen.

Diagnostik

Eine sichere Diagnose kann nur der (Haut-) Arzt stellen. Dieser führt zunächst eine „Blickuntersuchung" der Haut durch, ggf. Mit Hilfe einer speziellen UV-Lampe („Wood-oder Woodlicht-Lampe"). Bei unklarem Befund werden zusätzlich Proben/Abstriche aus dem Gebiet der erkrankten Haut, Schleimhaut, Haare oder Nägel entnommen und zunächst direkt unter dem Mikroskop begutachtet. Lassen sich dabei bereits typische Pilzelemente feststellen, steht die Diagnose meist schon fest. Wenn auch die Art des Erregers herausgefunden werden soll, wird aus dem Probenmaterial eine Pilzkultur angelegt. Hierzu wird das Probenmaterial auf spezielle Nährböden aufgebracht, auf denen sich die Pilze vermehren. Diese Nährböden werden für mehrere Tage, manchmal auch Wochen, bei bestimmten Temperaturen aufbewahrt (bebrütet), bis genügend Pilze darauf wachsen (vgl. Abbildung). Anhand des Aussehens der entstandenen Kultur kann man weitere Rückschlüsse auf die Art des Erregers ziehen. Sicher identifiziert werden kann der Erreger allerdings meist erst, wenn die auf der Kultur gewachsenen Pilze erneut unter dem Mikroskop betrachtet werden.

In bestimmten Fällen sind Blutuntersuchungen notwendig, die oft sehr aufwendig sind.

Krankheitsbilder

Onychomykosen (Pilzerkrankung der Nägel)

Voraussetzung für diese Erkrankung ist eine bereits bestehende Schädigung des Nagels z.B. durch zu enges Schuhwerk, Durchblutungsstörungen oder Stoffwechselkrankheiten. Sie kann durch Schimmelpilze oder Mischinfektionen hervorgerufen sein. Ein Nagelpilz wird meist durch eine benachbarte infizierte Hautstelle hervorgerufen. Der Nagel wölbt sich dann ggf. und verfärbt sich. In schwereren Fällen bilden sich so genannte Krümelnägel. Wenn zusätzlich bakterielle Erreger in den kranken Nagel einwandern, kann eine erschwerende Entzündung des gesamten Nagelbettes resultieren.

Eine Informationsbroschüre zum Thema Nagelpilz können Sie hier kostenlos als PDF-Datei herunterladen.

http://www.almirall.de/al/dermatologie/infozentrum-patient/pilzerkrankungen/Fusspilz.jpgTinea (Befall der freien Haut durch Fadenpilze)

Diese Erkrankung wird durch Dermatophyten hervorgerufen. Hinter den Begriff Tinea setzt man den lateinischen Begriff für die Stelle, an der sich die Pilzerkrankung befindet, z.B. capitis (Kopf), corporis (Körper) oder auch jede andere Stelle. Auch der Fußpilz (Tinea pedum) zählt zu dieser Erkrankung (vgl. Abbildung).

Befinden sich die infizierten Stellen am Rumpf oder an Armen oder Beinen, sehen sie typischerweise folgendermaßen aus: Die Stellen sind rötlich entzündet, rundlich und scharf begrenzt. Sie können auch jucken, und einzelne Herde können ineinander fließen. Am Rand der Herde finden sich oftmals Bläschen, Pusteln oder Schuppen.

An den Füßen und Händen fehlen die typisch kreisförmigen Herde. Stattdessen treten zwischen den Zehen oft feine Risse auf, die sehr schmerzhaft sein können. Fuß- und Handflächen sind von einer mehlstaubartigen Schuppung bedeckt. Auch Juckreiz ist möglich.

Candidosen

Candidosen werden durch Hefepilze hervorgerufen. Die häufigste Art ist Candida albicans (etwa 80 % der Fälle). Es gibt jedoch noch weit mehr als 100 andere Candida-Arten.
Bei einem Teil der gesunden Bevölkerung lässt sich Candida albicans im Magen-Darm-Trakt oder seltener auch auf der Haut nachweisen, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Eine Beseitigung der Erreger ist in der Regel nicht erforderlich. Liegt jedoch eine Abwehrschwäche vor, kann sich der Erreger ungehindert vermehren und zu Krankheitssymptomen führen, die dann behandelt werden müssen. Eine akute Hefepilzerkrankung der Haut (Hautcandidose) findet man oft im Bereich der Hautfalten, wo ein feucht-warmes Klima herrscht. Oft jucken oder brennen diese Stellen. Man findet jedoch auch Candida-Infektionen im Bereich der Mundwinkel, der Mundschleimhaut und vielen anderen Bereichen. Sehr häufig ist auch der so genannte Windelsoor bei Säuglingen. Candida-Infektionen der Schleimhäute zeichnen sich durch weiße abwischbare Beläge auf einem entzündlich geröteten Grund aus. Die Infektionen der Hautfalten (Leisten, Achselhöhlen, unterhalb der Brust) zeigen eine nässende Rötung. Fast immer berichten Betroffene über Juckreiz bzw. Brennen.

Zur Behandlung von Pilzerkrankungen gibt es spezifisch gegen die Erreger gerichtete Medikamente. Diese werden als Antimykotika bezeichnet. Nicht alle Medikamente wirken gegen die einzelnen Erreger gleich gut. Einige wirken spezifisch gegen Hefen (z. B. der Wirkstoff Nystatin), andere erfassen mehr oder weniger alle Hautpilzarten (z. B. die Wirkstoffgruppe der Imidazolantimykotika; Beispiele: Clotrimazol, Miconazol etc.).

Für oberflächliche Hautpilzerkrankungen stehen verschiedene Darreichungsformen für alle Lokalisationen zur Verfügung (z. B. Shampoos, Lösungen, Cremes, Pasten und Salben).

Bei tiefer in der Haut gelegenen Erkrankungsherden, bei großflächigem Befall sowie bei Nagelpilzerkrankungen reicht eine äußerliche Behandlung oft nicht aus. Hier wird innerlich behandelt, z. B. mit dem Wirkstoff Terbinafin (insbesondere bei Dermatophyteninfektionen) oder mit den Wirkstoffen Itraconazol und Fluconazol, die besonders gut bei Hefepilzinfektionen wirksam sind. Für Pilzerkrankungen der inneren Organe stehen Tabletten und Suspensionen zur Verfügung.

Oftmals ist eine wochen- bzw. bei Nagelmykosen auch monatelange Behandlung notwendig. Um einen Rückfall/Wiederaufflammen der Infektion zu vermeiden, muss in der Regel einige Tage bis Wochen über den sichtbaren Behandlungserfolg hinaus weiter therapiert werden. Das gilt insbesondere auch für Fußpilzinfektionen.

  • Bevorzugte Stellen von Hautpilzerkrankungen sind die Füße. Um eine Ansteckung durch infizierte Hautschuppen zu vermeiden, sollten in Schwimmbädern, Turnhallen, Duschen und Saunen sowie auch in fremden Hotelzimmern Badeschuhe getragen werden.
  • Geeignetes, nicht zu enges Schuhwerk tragen, am besten aus Leder, da dieses luftdurchlässig ist und keinen Nässestau verursacht, wie es z. B. in Turnschuhen oder Gummistiefeln der Fall ist.
  • Die Zehenzwischenräume nach dem Duschen oder Baden immer gut abtrocknen, ggf. kalt trocken fönen.
  • Socken und Strümpfe (am besten aus Baumwolle) täglich wechseln und bei mindestens 60 °C waschen.
  • Nicht die Händtücher der anderen Familienmitglieder benutzen, insbesondere dann nicht, wenn eine der Personen an einem Pilz erkrankt ist.
  • Vermehrter Fußschweiß kann mit geeigneten Bädern (z.B. Gerbstoff-Bäder) gelindert werden.
  • Eine eventuell vorhandene innere Grunderkrankung, die für Pilzerkrankungen anfällig macht (z. B. Diabetes mellitus), sollte ebenfalls gut behandelt werden.
  • Achtung Raucher: Jede Zigarette senkt die Körpertemperatur auch in weit abgelegenen Körperzonen, insbesondere den Füßen. Kälte (Durchblutungsstörung) ist jedoch auch ein Faktor, der die Abwehr schwächt und damit den Pilzen die Ansiedelung ermöglicht.

Was kann ich außer der medikamentösen Behandlung zusätzlich tun?

Wichtig ist eine gute Körperhygiene. Ist zum Beispiel der Fuß betroffen, sollte dieser 2x täglich mit warmem Wasser gewaschen werden. Damit die Haut nicht aufquillt und damit zur erneuten Eintrittspforte wird, ein Fußbad nicht über 10 Minuten ausdehnen. Danach gut abtrocknen.

Wie lange dauert eine Pilzbehandlung?

Die Behandlung einer Pilzinfektion der Haut dauert in der Regel 3 Wochen. Die Behandlung sollte über diesen Zeitraum durchgeführt werden, auch wenn bereits vorher die sichtbaren Hauterscheinungen abgeklungen sind. Bei einer Infektion der Nägel muss man bis zu 6 Monaten, gerade bei den Fußnägeln muss man manchmal auch längere Zeit veranschlagen. So lange dauert es, bis ein gesunder Nagel wieder nachgewachsen ist.

Was ist der Windelsoor?

Das ist eine Pilzinfektion im Bereich der Windel bei Säuglingen. Da in diesem Bereich Hautflächen aufeinander liegen, können starke Schmerzen auftreten. Mit entsprechenden Pasten, die ein pilzabtötendes Medikament enthalten, ist die Erkrankung schnell zu beseitigen. Bitte fragen Sie bei Ihrem Kinderarzt nach.

Wie gefährlich sind Darmpilze?

Zu jeder normalen Darmflora gehören Bakterien und in Maßen auch Pilze. Nur in seltenen Fällen entsteht eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die dann mit Tabletten beherrscht werden kann.

In diesem Film erhalten Sie wissenswerte Informationen rund um Pilzerkrankungen.


Broschüren

Hefepilzerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern
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Nagelpilz?
Meine Therapie hat Hand und Fuß

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