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Die Entstehung der MS.

Die Entstehung der MS.

Die Grundursache von MS ist die Zerstörung des Myelins im ZNS (Abbildung 5), und es gibt Hinweise darauf, dass dieser Schaden vom eigenen Immunsystem des Patienten verursacht wird6. MS zeichnet sich zwar durch die Zerstörung der Myelinisolierung (Demyelinisierung) aus, der eigene Körper versucht aber auch, diesen Schaden mit Hilfe der Remyelinisierung (Wiederherstellung des Myelins) zu reparieren.7

Der Wechsel zwischen Demyelinisierung und Remyelinisierung ist einer der Gründe warum viele MS-Patienten schubförmig wiederkehrende (remittierende) Symptome aufweisen7. Die Schübe können mit einer Periode der Beschädigung (Demyelinisierung oder Entmarkung) in Zusammenhang gebracht werden, wohingegen die Remissionsphasen das Ergebnis der Reparatur sind, die der Körper vornimmt7. Bei Patienten mit primär progredienter MS scheinen nicht so viele Reparaturen möglich zu sein, daher auch das schnelle Fortschreiten dieser Form der MS. Die Zerstörung der Myelinschicht führt zu Funktionalitätseinschränkungen der Nerven.

Wie diese Remyelinisierung verläuft ist nicht ganz geklärt, es scheinen aber wiederkehrende Oligodendrozyten beteiligt zu sein.7

 

 

Abbildung 5. Schematische Darstellung einer vom Immunsystem beschädigten Myelinscheide eines Neurons - Demyelinisierung

Der genaue Stoff, den die Immunzellen im Falle von MS attackieren, ist bisher nicht bekannt, weswegen die MS von vielen Experten eher als immun-mediierte denn autoimmune Erkrankung bezeichnet wird. Forscher haben in den letzten Jahren identifiziert, von welchen Immunzellen dieses Attackieren ausgeht, welche Faktoren dies begünstigen oder einleiten und welche Rezeptoren der attackierenden Zellen vom Myelin angezogen werden, so dass der Zerstörungsprozess eingeleitet werden kann. Kontinuierliche Forschung im Bereich dieses auto-immunen Prozesses – was ihn auslöst, wie er funktioniert und wie er möglicherweise zu stoppen ist – bringt uns dem Verstehen der Ursache von MS näher.

Eine Dysregulierung der Blut-Hirn-Schranke, die verhindert, dass Substanzen aus dem Blutkreislauf ins ZNS gelangen, und aktivierte Immunzellen in Verbindung mit Entzündungsreaktionen sind in der Regel die frühen zerebrovaskulären Abnormalitäten im Hirn von MS Erkrankten.

Sobald diese aktivierten Immunzellen im ZNS sind, lösen sie eine Ereigniskaskade aus, deren Nettoergebnis eine Beschädigung des Myelins und der darunter liegenden Nervenfasern ist. Die fortschreitende Beschädigung des Myelins führt zu einer Beeinträchtigung der Signalleitung und somit der Kommunikation zwischen Hirn, Muskeln und Sinnesorganen.8

Diese Störung führt zu den typischen MS-Symptomen wie z. B. Problemen im Bereich:

Gleichgewicht
Gang und Bewegungen
Blasen- und Darmkontrolle
Taubheitsgefühl
Schmerzen

 

WOHER KOMMT DER NAME „MULTIPLE SKLEROSE"?

Sklerose bezeichnet die kleinen Läsionen und Plaques, die sich bei Patienten mit MS an den Ummantelungen der Nerven zeigen. Diese Läsionen treten häufig in großer Zahl über das gesamte ZNS auf, daher das Wort „multipel" (vielfach).1

MS-ARTEN 

MS wird oft als schubförmig remittierende Krankheit bezeichnet, denn die Symptome tauchen auf (Schub) und verschwinden wieder teilweise oder vollständig (Remission). Im Laufe der Zeit wurden drei Hauptarten von MS definiert (die mit Hilfe der im Folgenden aufgelisteten Diagnosekriterien vorgestellt werden).

Schubförmig remittierende MS9 – die typische Form der Erkrankung, bei der in bestimmten Abständen Schübe auftreten, denen schubfreie Phasen (Remissionen) folgen. Bei den meisten Patienten beginnt die MS so, außer bei dem geringen Anteil an Patienten, die an der primär progredienten MS erkrankt sind. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich die beiden Verlaufsformen unterscheiden.

 

 

Abbildung 6. Schubförmig remittierende MS - charakterisiert durch klar definierte Episoden (Schübe) gefolgt von vollständiger oder teilweiser Besserung (Remission).

 
  • Primär progrediente MS9 – Diese Art wird initial bei etwa 10 - 15% der Patienten mit MS diagnostiziert. Hierbei schreiten die Symptome ab dem Einsetzen kontinuierlich fort, d. h. die Symptome verschlimmern sich mit der Zeit immer mehr und es gibt nicht die typischen Remissionsphasen und Schübe.
 

Abbildung 7. Primär progrediente MS - charakterisiert durch eine stetige Verschlimmerung der MS von Anfang an, ohne klare Schübe oder Remissionsphasen.

Sekundär progrediente MS9 – Etwa 65% der Patienten mit schubförmig remittierender MS entwickeln etwa 15 Jahre nach Erkrankungsbeginn die sekundär progrediente Form. Wie der Name verrät, zeigen Patienten mit dieser MS-Art eine fortschreitende Verschlimmerung der MS-Symptome ohne zwischenzeitliche Remissionsphasen. Dieses Fortschreiten kann sehr langsam sein.

 
 

 

Abbildung 8. Sekundär progrediente MS - charakterisiert durch eine Verschlimmerung der MS innerhalb von 10 Jahren nach der Diagnose, mit möglicherweise damit einhergehender Verschlimmerung der Behinderung.

1 Multiple Sclerosis Trust. What is MS? 2007
6 Compston A, Coles A, Multiple Sclerosis. Lancet 2008;372(9648): 1502-17.
7 Patrikios P, Stadelmann C, Kutzelnigg A, Rauschka H, Schmidbauer M, Laursen H, et al. Remyelination is extensive in a subset of multiple sclerosis patients. Brain 2006;129(Pt12):3165-72.
8 Holland N, Murray T, Reingold S. Multiple Sclerosis: A Guide for the Newly Diagnosed (3rd edition) New York: Demos Medical Publishing, 2007.
9 Multiple Sclerosis Trust. Types of MS. 2007