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Ursachen Von MS.

Ursachen von MS.

MS ist eine sehr komplexe Erkrankung, und bis heute wurde keine einzelne und eindeutige Ursache identifiziert, die erklärt, warum das Immunsystem das Nervensystem und speziell die Myelinscheiden angreift. Aus dem, was wir bis jetzt über die Erkrankung wissen, kann man sagen, dass die Symptome von MS zwar im Nervensystem entstehen, der dahinter liegenden Pathogenese aber alle Anzeichen einer Autoimmunerkrankung zu Grunde liegen (Abbildung 9).

Es wurden mehrere Theorien aufgestellt, mit denen die grundlegende Ursache der MS erklärt werden soll. Die Wahrheit liegt möglicherweise in der Kombination mehrerer Ursachen.

Zu den Ursachen gehören:

  • - Gewebeanomalien: Angeborene Defekte in der Struktur oder Funktion des Nervensystems, die Myelin und Nervenfasern anfälliger für Immunangriffe machen8. Da die Erkrankung häufig „in der Familie liegt", wird unter anderem angenommen, dass der Erkrankung genetische Faktoren zu Grunde liegen. Das Vorhandensein bestimmter Gene bei einzelnen Menschen kann mit erhöhtem Risiko einer MS in Verbindung gebracht werden. Wir wissen, dass die MS nicht direkt vererbt wird. Es ist auffällig, dass genetische Faktoren die Prädisposition, eine MS zu entwickeln, steuern.6,8

  • - Bakterien- und Virusinfektionen: Viele Bakterien und Viren werden mit der Entstehung von MS in Verbindung gebracht, allerdings wurde bis heute nie belegt, dass diese mit der Entstehung oder Verschlimmerung der Erkrankung zu tun haben.8

  • - Umweltgifte: Man weiß, dass verschiedene potenziell schädliche Verbindungen durch Industrie und Landwirtschaft in die Luft, den Boden und das Wasser gelangt sind. Es gibt aber bis jetzt keine Forschungsergebnisse, die hier eine direkte Verbindung zur MS belegen können.8

  • - Unausgewogene Ernährung: Viele Ernährungsfaktoren, wie ein unausgeglichener Magnesiumhaushalt und Glutenunverträglichkeit, werden mit MS in Verbindung gebracht. Es gibt aber keine Forschungsergebnisse, die eine direkte Verbindung dieser Faktoren mit MS belegen.8

  • - Geographische Faktoren: Man weiß, dass die Inzidenz von MS mit größerer Distanz zum Äquator6 steigt (Abbildung 10), weshalb einige Wissenschaftler die Theorie vertreten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Vitamin-D-Spiegel gibt, der mit der Sonneneinstrahlung zu tun hat.

Je mehr man über MS weiß, desto klarer wird es, dass die Suche nach einer einzigen direkten Ursache möglicherweise erfolglos bleiben wird. Deshalb haben viele Wissenschaftler ihre Arbeit in die Richtung verlagert, herauszufinden, wie eine Reaktion des Immunsystems auf verschiedene Trigger zu einer Autoimmunerkrankung führen und wie diese Reaktion limitiert oder gestoppt werden kann.8

Autoimmunerkrankung
Bei einer Autoimmunerkrankung entstehen Gewebeschäden, hervorgerufen durch eine Reaktion der körpereigenen T-Zellen oder Antikörper gegen den Körper selbst. Die Aktivierung des Immunsystems kann durch eine Infektion ausgelöst werden, bleibt dann aber ohne Anwesenheit eines nachweisbaren Pathogens bestehen.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Entstehung einer Autoimmunerkrankung auf einem Zusammenspiel von genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen und der Immunregulierung beruht10. So kann die Immunantwort eines Individuums mit genetischer Prädisposition auf ein Umweltpathogen bei gleichzeitigen Defekten der immunregulierenden Faktoren zur Entstehung einer Autoimmunerkrankung führen. Die Bedeutung der einzelnen, im folgenden Diagramm dargestellten, Komponenten kann zwischen verschiedenen Menschen und Erkrankungen variieren. Eine Voraussetzung für das Auftreten einer Autoimmunerkrankung ist das Zusammentreffen aller drei Komponenten (Abbildung 9).10

Abbildung 9. Das Zusammenspiel von genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen und der Immunregulierung als Trigger für eine Autoimmunerkrankung.

6 Compston A, Coles A, Multiple Sclerosis. Lancet 2008;372(9648): 1502-17.
8 Holland N, Murray T, Reingold S. Multiple Sclerosis: A Guide for the Newly Diagnosed (3rd edition) New York: Demos Medical Publishing, 2007.
10 Ermann J, Fathman CG. Autoimmune diseases: genes, bugs and failed regulation. Nat Immunol 2001;2(9):759-61.