Behandlungen bei Neurodermitis
Wie wird atopische Dermatitis behandelt?


Estefania, die mit atopischer Dermatitis lebt
Die Behandlung der atopischen Dermatitis (AD) konzentriert sich hauptsächlich auf die tägliche grundlegende Hautpflege. Außerdem kommen topische entzündungshemmende Mittel, Phototherapie und systemische Immunmodulatoren zum Einsatz. Zu den Hauptzielen der Behandlung von atopischer Dermatitis (AD) gehören die Behandlung und Vorbeugung von Schüben sowie die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Hautbarriere. Bei jedem Menschen mit atopischer Dermatitis verläuft die Erkrankung unterschiedlich. Daher müssen die Behandlungen individuell angepasst werden, wobei sowohl patientenspezifische Faktoren wie Alter oder Therapietreue als auch krankheitsspezifische Faktoren wie Ausmaß, Verteilung, akute Schübe oder chronische Krankheitsverläufe berücksichtigt werden müssen.
Es gibt verschiedene Maßnahmen und Wirkstoffe, die zur Behandlung von atopischer Dermatitis in Betracht gezogen werden können:
- Feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte für trockene Haut.
- Topische oder systemische entzündungshemmende Behandlung, Phototherapie oder immunmodulatorische Therapie bei atopischem Ekzem.
- Antiseptische/antibiotische/antivirale/antimykotische Behandlungen im Falle einer Infektion.
Nicht-pharmakologische Behandlungen bei atopischer Dermatitis
Zur allgemeinen täglichen Hautpflege bei atopischer Dermatitis gehören die folgenden Maßnahmen:
Feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte
Bei der Behandlung von atopischer Dermatitis ist es entscheidend, die Haut regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten zu versorgen. Diese Produkte sollten mehrmals täglich angewendet werden. Eine systematische Anwendung reduziert zudem nachweislich den Bedarf an Kortikosteroid-Cremes. Feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte sollen vor allem die Feuchtigkeitsversorgung der Epidermis verbessern, indem sie wie eine Schutzschicht auf der Hautoberfläche wirken und so die Verdunstung reduzieren. Feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte haben keinen direkten Einfluss auf den Verlauf des Ekzems. Allerdings verbessern sie das Hautbild und lindern den Juckreiz.
Die Wahl des richtigen feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukts hängt von der individuellen Situation der Patient:innen ab. Für sehr trockene Haut wird im Allgemeinen eine reichhaltige Creme oder Salbe (mit hohem Fettgehalt) empfohlen. Bei milden Formen von Ekzemen sind Cremes und Lotionen mit einem höheren Wasseranteil hingegen besser geeignet. Solche Cremes müssen aufgrund ihrer schnellen Absorption in die Haut mehrmals täglich aufgetragen werden. Es sollten stets feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte ohne Duftstoffe oder andere potenzielle Allergene empfohlen werden, da diese Inhaltsstoffe eine sekundäre allergische Sensibilisierung hervorrufen können. Für Personen mit chronischem, trockenem Ekzem sind Teerpräparate in Form von Cremes und Okklusivverbänden empfehlenswert.
Bade- und Duschgewohnheiten
Tägliches Baden oder Duschen für etwa 5 bis 10 Minuten kann die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und Schuppen, Krusten, Reizstoffe und Allergene entfernen, was für Patient:innen mit AD sehr hilfreich sein kann. Wenn das Wasser jedoch auf der Haut verdunstet, führt dies zu einem höheren transepidermalen Wasserverlust. Daher wird empfohlen, kurz nach dem Baden oder Duschen Feuchtigkeitscremes aufzutragen, um die Haut stets mit Feuchtigkeit zu versorgen.
Sollte ein Hautbereich stark geschwollen sein, ist es ratsam, ihn 20 Minuten lang unter fließendem Wasser einzuweichen und anschließend unverzüglich eine entzündungshemmende medikamentöse Behandlung, wie beispielsweise Kortikosteroide, aufzutragen, ohne diesen Bereich vorher mit einem Handtuch abzutrocknen. Dieser Ansatz wird als „Soak-and-Seal Methode“ bezeichnet und kann die Reaktion der Haut verbessern, wenn die Anwendung eines topischen Entzündungshemmers allein nicht ausreicht.
Wet-Wrap-Therapie
Die Feuchtwickeltherapie, auch Wet-Wrap-Therapie (WWT) genannt, ist eine Methode, um die Symptome bei atopischer Dermatitis schnell zu lindern, und wird in der Regel sowohl bei ambulanten als auch bei stationären Patient:innen bei schweren Schüben der Erkrankung angewendet. Bei diesem Verfahren wird ein topisches Mittel aufgetragen und zunächst mit einer feuchten ersten Schicht aus Schlauchverbänden, Mull oder einem Baumwollanzug abgedeckt. Darüber wird eine trockene zweite Außenschicht angelegt. Bei einer generalisierten Erkrankung können ebenfalls zwei Lagen nicht reizender Kleidung angelegt werden. Die Wet-Wrap-Therapie scheint beim Verschluss des topischen Wirkstoffs zu helfen, was das Eindringen der Wirkstoffe in die Haut fördert, den Wasserverlust reduziert und eine physische Barriere gegen das Kratzen bildet.
Der Wickel kann je nach Verträglichkeit der Patientin oder des Patienten mehrere Stunden bis zu 24 Stunden lang angewendet werden. Die Behandlung sollte in der Regel mehrere Tage lang durchgeführt werden, obwohl einige Studien zu dieser Technik eine Anwendungsdauer von bis zu zwei Wochen vorsahen.
Phototherapie
Da sich der Zustand der meisten Patient:innen mit AD während der sonnigen Sommermonate verbessert, wird künstliche UV-Strahlung häufig zur Behandlung von atopischer Dermatitis eingesetzt. Phototherapie kann atopische Dermatitis verbessern und sogar vollständig abklingen lassen. Sie kann die bakterielle Besiedlung verringern und die Stärke und/oder Menge der benötigten topischen Entzündungshemmer reduzieren. Die positive Wirkung ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich.
Pharmakologische Behandlungen bei atopischer Dermatitis
Topische entzündungshemmende Therapie
Eine wirksame topische entzündungshemmende Therapie beruht auf drei Grundprinzipien: ausreichende Wirksamkeit, ausreichende Dosierung und korrekte Anwendung. Vor der topischen Behandlung sollte die Haut stets mit Feuchtigkeit versorgt werden, besonders bei der Verwendung von Salben. Wenn als feuchtigkeitsspendendes Pflegeprodukt eine Creme verwendet wird, sollte diese 15 Minuten vor dem Auftragen des entzündungshemmenden Präparats aufgetragen werden. Bei Verwendung einer Salbe sollte diese 15 Minuten danach aufgetragen werden.
Topische Kortikoide
Die Anwendung von entzündungshemmenden topischen Kortikoiden kann innerhalb weniger Tage zu einer Verbesserung oder zum Abklingen akuter Schübe führen. Topische Kortikoide werden zur Behandlung von atopischer Dermatitis sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern eingesetzt und bilden die Grundlage der entzündungshemmenden Therapie. Sie wirken auf eine Vielzahl von Immunzellen, darunter T-Lymphozyten, Monozyten, Makrophagen und dendritische Zellen, beeinträchtigen die Antigenprozessierung und unterdrücken die Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen. Sie sind in der Regel Teil der Behandlung, wenn Hautveränderungen nicht auf eine gute Hautpflege und die regelmäßige Anwendung von Feuchtigkeitscremes als Monotherapie ansprechen.
Topische Calcineurin-Inhibitoren
Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCIs) stellen eine Zweitlinienbehandlung für Patient:innen mit mittelschwerer bis schwerer AD dar. Sie hemmen die Calcineurin-abhängige T-Zell-Aktivierung und blockieren die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen und Mediatoren der Entzündungsreaktion bei AD.


Referenzen
- Eichenfield, L.F., Tom, W.L., Berger, T.G., Krol, A., Paller, A.S., Schwarzenberger, K., et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis: section 2. Management and treatment of atopic dermatitis with topical therapies. J Am Acad Dermatol. 2014;71(1):116–32.
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- Ring, J., Alomar, A., Bieber, T., Deleuran, M., Fink-Wagner, A., Gelmetti, C., Gieler, U., et al. Guidelines for treatment of atopic eczema (atopic dermatitis) Part II. JEADV. 2012;26:1176–1193.